Teeseite

Die Teeseite



Teezeremonie in Ostfriesland

Während der Kaffee seinen Siegeszug durch Europa begann, blieb in Ostfriesland der Tee das Getränk Nummer eins. Und das ist seit 300 Jahren so. Die benachbarten Holländer brachten die getrockneten Blätter aus ihren Kolonien mit. Heute kommt kein Tourist daran vorbei, sich der ostfriesischen Teezeremonie zu unterwerfen. Ganz gleich, ob durchgepustet von orkanartigen Böen oder durchgeschwitzt vom Strandbesuch: Für Tee ist hierorts immer die passende Zeit. Der Ablauf dagegen ist fest vorgegeben. Dem Klirren des Kluntjes, einem Klotz Kandis, folgt in die Tasse eine kräftig-rote Assam Tee-Mischung.

Dann wird etwas Rahm hinzu gegeben, vorsichtig am Tassenrand mit einer kleinen Schöpfkelle, damit die Wolke entsteht - und nun keinesfalls umrühren! Das Geschmackserlebnis beim Ostfriesentee ist zunächst die sahnige Milde zum Einsteigen, dann der herbe Tee zum Genießen, schließlich die Süße wenn die Tasse zur Neige geht, als Abschluss. Gewöhnungsbedürftig, aber süchtig machend. Falls nicht: Drei Tassen gilt es auf jeden Fall durchzuhalten, darunter lässt kein Ostfriese die Kanne erkalten. Je nach Lebenslage gehört auch der Schuss Rum in die Tasse. Und bloß keine Hektik - Tee ist hier eine mentale Sache. Und eine wirtschaftliche. Die Rezeptur für die echte Ostfriesen-Mischung aus Assam und Ceylon sowie Darjeeling und weit über 100 anderen Sorten, soll nur hier zu bekommen sein. In Tee-Akademien und Seminaren werden Schulungen angeboten, im Tee-Museum des ältesten Teehandelshauses Ostfrieslands, die Teekultur dieser Breiten präsentiert. Tee-Läden und -Kontore gibt es nahezu flächendeckend. Aus der über 100-jährigen Ostfriesischen Teegesellschaft entstand übrigens die Marke Milford. Auch die Porzellan- und Tischkultur hielt mit. Die Dekore Friesisch Blau, Friesenrose oder Frisia sind Klassiker.

 
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