Der Flugtee
Wenn in Darjeeling im März nach der Winterpause die erste Pflückperiode des Jahres beginnt, werden Teekenner in Europa schon nervös. Bereits an den ersten Erntetagen wird der Darjeeling First Flush, frisch mit dem Flugzeug in den Handel gebracht: Erntefrisch gelangt er in die Tassen und begeistert mit seinem fein-milden, blumigen Aroma, mit etwas Glück schon zu Ostern. 2000 Blätter von Hand gepflückt ergeben gerade mal 100 Gramm dieser Spezialität. "Two Leaves and a Bud", die ersten zwei Blätter und eine Knospe werden nur gepflückt. Die erhältliche Menge ist daher begrenzt zumal diese Periode nur einige Wochen dauert.
So ist Flugtee oft kurz nach Saisonbeginn ausverkauft und viele Händler mahnen bei ihren Stammkunden Vorbestellungen an. Heute wird der Tee geflogen - entstanden ist die "Express-Lieferung" aus den hoch gelegenen Teegärten des Darjeeling jedoch im Rahmen der Teeklipper-Rennen des 19. Jahrhunderts, als der Frühlingstee aus China geholt wurde - damals dauerte die übliche Route London - China - London etwa 90 Tage. Kritiker wenden heute ein, dass das Blatt keine Zeit hat das volle Aroma zu entwickeln und die zusätzlichen Flüge zudem die Umwelt belasten. Bevor der Tee verladen wird, geht er zunächst nach Kalkutta wo die Tees von Maklern geprüft und die Preisgruppen festgelegt werden. Doch erst die Teeauktion ergibt die Verkaufspreise, wenn die vorhandenen Mengen versteigert werden. So vergehen zehn Tage bis der Tee in Europa verkostet wird. Erst danach ist er in den Läden Deutschlands erhältlich. Inzwischen gibt es auch Flugtee aus Teegärten mit biologisch-dynamischem Landbau.

