Teeschmuggel in Ostfriesland
"Hef wie kin tee moten wie staven" hieß es bei den Ostfriesen zu Napoleonischen Zeiten. Was den Konsum des von ihnen so geliebten Blatts anging, mussten sie einige Beeinträchtigungen hinnehmen. Bereits Friedrich dem Großen war der Teeverbrauch der Ostfriesen ein Dorn im Auge. Zumal sie seiner Anweisung, sich auf das Bier zu verlegen, um ihr Geld im Vaterland zu lassen, nicht folgten, da half auch nicht eine kräftige Besteuerung von Tee.
Der König sandte sogar Spione aus, die Teetrinker denunzieren sollten. Doch zum einen war den Anbau der zum Bierbrauen benötigten Zutaten nicht lohnend, zum anderen war der Teegenuss längst Teil ostfriesischer Kultur. So schmuggelten sie die begehrte Ware, aus Holland holten Kutscher, die scheinbar Badegäste übers Watt fuhren oder Ruderer mit Teegefüllten Lederpuppen den Tee aus dem Nachbarland. Mit Napoleons Kontinentalsperre 1806 waren die Ostfriesen abermals gezwungen, ihr Leben zu riskieren um an Tee zu gelangen: Das Anlegen an der Insel war bei Wellengang lebensgefährlich, zudem wurden solche Unternehmen mit der Todesstrafe geahndet. Die französischen Besetzer untersagten den Handel mit England; das damals britische Helgoland wurde zur Schmugglerhochburg. bis zu den beiden Weltkriegen, als Tee abermals Mangelware wurde, war die Findigkeit der Ostfriesen gefragt. Während des Zweiten Weltkrieges gab es nur minderwertige oder Ersatzware an den Teeverteilungsstellen, danach gingen die Fahrten ins Ruhrgebiet, wo Bergarbeiter Lebensmittelkarten für Extrarationen Tee erhielten, die wurden eingetauscht.
Erst seit 1953 hat die Teenot, wie die Ostfriesen den ständigen Beschaffungsdruck nennen, ein Ende. Heute lauschen Touristen während der friesischen Teezeremonie den Geschichten aus der Schmugglerzeit.

