Fair Trade
Die verkrusteten Teehandelsstrukturen weltweit wurden in den 1980er Jahren erstmals aufgeweicht, als beispielsweise mit der Berliner Teekampagne ein neues Vertriebskonzept aufkam. Statt regelmäßig kleine Packungen Tee zu relativ hohen Kosten zu kaufen, gab es jetzt auf einmal ein ganzes Pfund Tee einer Sorte zu einem Sonderangebotspreis in den kooperierenden Teeläden. Dabei wurde auf gute Qualität, wenig Verpackung, wenig Werbung geachtet - gleichzeitig aber auch auf das damals schon bestehende Trendthema Verbraucherinformation. Dazu kamen viel Umsatz bei relativ geringem Gewinn - der Erfolg gegenüber dem konventionellen Teehandel stellte sich schnell ein: innerhalb von 10 Jahren verhundertfachte sich die gehandelte Teemenge.
Im Schlepptau der 68er Bewegung entstand auch die Idee des "Fair Trade" beim Teehandel. Die Lebensbedingungen der Plantagenarbeiter wurden durch den Jahr für Jahr zunehmenden Preisdruck der Handelsschwergewichte immer schlechter. Erstmals gab es durch die Veröffentlichungen in den Medien (gerade bei den Teetrinkern) eine breitere, aufgeklärte Öffentlichkeit, die natürlich nicht nur an den prunkvollen Patrizierhäusern in Bremen und Hamburg sahen, wo der Großteil des beim Tee verdienten Geldes blieb.
Damit bei den Erzeugern und deren Angestellten eine auch nach objektiven Maßstäben faire Vergütung ankommt, gründeten sich mehrere Projekte, die dies einerseits dem interessierten Kunden vermitteln, andererseits die Einhaltung des fairen Handels garantieren sollen.
Den meistens nur geringen Aufpreis für fair gehandelte und entsprechend gekennzeichnete Ware sollte man als moderner, reflektierter und qualitätsbewusster Käufer jedenfalls zu zahlen bereit sein. Denn es verbergen sich mitnichten nur durchschnittliche Qualitäten dahinter.


