Grüner Tee
Der Grüne Tee ist die ursprünglichste Verarbeitungsform und stammt natürlich aus China. Die frisch geernteten Blätter, bevorzugt die des sinensis-Strauches oder stark sinensis-lastiger Hybriden, werden auf großen Stoffbahnen oder Matten über Wasserdampf geschwenkt, also gedämpft oder einer trockenen Hitze ausgesetzt. Dieser Vorgang dient dem möglichst raschen Feuchtigkeitsentzug und kann entweder mittels Heißluft oder - ganz traditionell - in einer einfachen heißen Pfanne erfolgen. Nicht lachen, aber in China werden für diesen Vorgang sogar umgebaute Wäschetrockner benutzt…
Die bei Feuchtigkeit ansonsten einsetzende Fermentierung findet dadurch jedenfalls nicht mehr statt, die grüne Farbe der Blätter bleibt üblicherweise bestehen, genau wie auch die Inhaltsstoffe des frischen Blattes weitgehend erhalten werden. Bei der Weiterverarbeitung werden die noch fast unbeschädigten Blätter des Grüntees üblicherweise noch gerollt, also etwas gerebelt und damit gebrochen, um das bessere Aufschließen der Inhaltsstoffe durch das heiße Wasser zu ermöglichen. Einzelne Sorten werden auch bereits jetzt zu feinem Pulver zermahlen und gepresst - denn noch heute ist der Ziegeltee in Teilen Chinas und der Mongolei beliebt. Wer als Europäer schon einmal diesen Tee mit Yak-Butter wie in Tibet getrunken hat, oder die mongolische Variante mit getrocknetem Fleisch, Stutenmilch, Fett, Salz und Hirsemehl "genießen" durfte, fragt sich natürlich ernsthaft, woher diese Beliebtheit resultiert.
Grüner Tee ist übrigens in Japan z.B. die beinahe einzig hergestellte Sorte. Er heißt dort "Sencha" und ist besonders als Frühlingstee "Shincha" sehr beliebt.
Darüber hinaus gibt es den japanischen "Schattentee", Gyokuro genannt. Er stammt von Teesträuchern, die durch große, schattenspendende Bäume oder auch einfach übergespannte Bastmatten in den Plantagen keine direkte Sonne abbekommen. Sie entwickeln somit recht kleine, stark chlorophyllhaltige Blätter, die im Gegenzug aber nur wenige Gerbstoffe aufweisen. Entsprechend mild - und edel bzw. teuer - ist der Gyokuro.
Die Popularität von Grünem Tee hat in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren stark zugenommen. Die Teetrinker versprechen sich neben dem Reiz der fernöstlichen Ursprünglichkeit vom höheren Gehalt an Gerbsäuren gegenüber dem Schwarztee eine noch stärker gesundheitsfördernde Wirkung.
Ein guter Grüner Tee kann mehrfach aufgegossen werden, sollte aber nie mit kochendem Wasser zubereitet werden.


