Neuzeit
Ab dem späten 19. Jahrhundert entstehen in vielen Regionen von Kenia, Malaysia, Georgien, der Türkei und auch in Süd- und Mittelamerika neue Teeplantagen, um den immer weiter steigenden weltweiten Bedarf an Tee zu stillen. Brasilien war beispielsweise noch vor 200 Jahren eines der großen Teeanbaugebiete weltweit. Heute lassen aber nur noch alte Ortsbezeichnungen und umgangssprachliche Begriffe ("dar um chá' a alguém" - "jemandem einen Tee geben", ihn also mit irgendetwas aufziehen) auf die ehemals tiefe kulturelle Verankerung des Tees in Brasilien schließen. Der dort in heutiger Zeit angebaute Tee ist allerdings nur noch Massenware. Kein Wunder also, dass der allgegenwärtige Kaffee und der indianischen Mate-Tee weitaus populärer sind.
Der großflächige Anbau in den britischen und holländischen Kolonien sorgt später auch während der beiden Weltkriege für eine relative Versorgungssicherheit auf der alliierten Seite, während in den Teekontoren der durch Seeblockaden betroffenen Achsenmächte kaum Tee zu bekommen war. In Ostfriesland herrschte während des zweiten Weltkriegs absolute "Teenotzeit", die Teerationen der Lebensmittelkarten wurden häufig in weiteren Regionen Norddeutschlands gegen andere, dem Ostfriesen nicht so wichtige Lebensmittelbezugsscheine eingetauscht.
Wenn Winston Churchill im Gegenzug sagt: "All a soldier needs is his rifle, his ammunition and his tea." (Alles, was ein Soldat wirklich braucht, ist sein Gewehr, Munition und sein Tee.), so war ihm das mindestens genauso ernst wie den verzweifelten Ostfriesen.
Ausgelöst durch die chinesische Revolution 1948/49 kommt der internationale Teehandel mit China fast vollständig zum Erliegen. Tees aus Ceylon und Indien dominierten seither den Markt. Erst seit Anfang der 1980er Jahre wird nun wieder in großem Maßstab mit Tee aus dem Ursprungsland gehandelt.
Übrigens wird mittlerweile sogar auf der britischen Hauptinsel Tee angebaut - das Städtchen Tregothnan in Cornwall beherbergt eine kleine private Teeplantage, deren Tees sogar in London erhältlich sind und auch von Kennern für überaus genießbar gehalten werden.


