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Der Tee im Mittelalter

Wer sich vorstellt, dass in der frühen Neuzeit und im Mittelalter in Deutschland Kräutertee getrunken wurde, der irrt. Denn Kräutertee gehörte damals durchaus nicht zu den klassischen Getränken des alltäglichen Lebens und echter Tee kam erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts a. D. nach Europa.

Die Karawanen der Seidenstraße

Die Karawanen auf der Seidenstraße brachten diese Köstlichkeit mit und nach und nach kam er auch mit den Schiffen der Eroberer. Was in China und in anderen Teilen Asien schon seit langer Zeit zum Leben gehörte, war bis dahin in Europa völlig unbekannt. In China gab es seit dem dritten Jahrhundert nach Christus bereits eine Art Teesteuer, was verdeutlicht, wie tief echter Tee in der chinesischen Kultur verwurzelt ist. Das Wort Tee stammt übrigens auch aus dem Chinesischen und es ist bei uns schon über dreihundert Jahre im Sprachgebrauch. Wie bei den anderen, revolutionären Heißgetränken des Mittelalters auch, blieb der Tee zunächst den Tafeln der Adligen und Reichen vorbehalten. Kaffee, Kakao und Tee haben sich bis heute gehalten und begleiten uns bei vielen Mahlzeiten.

Asien und seine Teekulturen

In China, aber auch in anderen Ländern Asiens, entwickelte sich schon sehr frühzeitig eine regelrechte Teekultur, die strenge Regeln kannte. Neben den Chinesen waren es die Japaner, die immer größeren Wert auf die Zubereitung und das Servieren von Tee legten. Fast jedes asiatische Volk hat eine ganz eigene Teekultur vorzuweisen, aber nach Europa wurden diese Zeremonien nicht exportiert. Zwar kannte die türkische Gesellschaft jener Zeit auch schon Tee, aber angebaut wurde er damals in der Türkei selbst noch nicht. Das sollte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ändern und heute ist türkischer Tee der Schwarzmeer-Küste auf dem Markt gut eingeführt. Doch ist Tee natürlich nicht gleich Tee, denn es macht einen großen Unterschied, ob frische, grüne Teeblätter zur Zubereitung genutzt wurde oder dieser getrocknet in die Teekannen kam. Die Türken lieben den schwarzen, fermentierten Tee, während Japaner und Chinesen grünen oder weißen Tee bevorzugten und bis heute besonders gerne. So unterschiedlich wie die Völker jener Zeit war auch die Art der Zubereitung und der Zeremonie. In der Türkei trinkt man schwarzen Tee bis heute aus Gläsern, während in Japan, China und Indien die Teeschale unabdinglich ist.

Tee in den chinesischen Dynastien

Doch nicht nur die Teeschale, sondern auch die Teekanne war zum Beispiel in den unterschiedlichen Dynastien Chinas von entscheidender Bedeutung. Bräute mussten die Zubereitung von Tees perfekt beherrschen, um überhaupt einen Ehemann zu bekommen. Die Reise durch Chinas Zeit ist auch eine Reise durch seine Art des Teetrinkens und so trank man diesen in den wichtigsten Dynastien Chinas ganz unterschiedliche Art und Weise. Die Tang-, die Song- und die Ming-Dynastie waren die Stationen des Tees in einem China, das nicht immer unter eigener Herrschaft stand. Mongolische und tibetische Einflüsse waren genauso zu verzeichnen wie der Wandel des Teetrinkens in der eigenen Gesellschaft.

Das Land Edo

Japan hat die Zeremonie des Teetrinkens ganz eindeutig übernommen, doch es tat noch mehr in Sachen Tee. Die perfektionistischen Japaners machten die Zeremonie zu einem mit dem Zen eng verbundenen Teil des Glaubens. Strenge herrschte in den Zeremonien des Landes Edo vor, denn über lange Zeit hinweg hieß Japan im Mittelalter Edo. Es war eine in sich geschlossene Gesellschaft mit strengen Regeln und schweren Strafen bei Zuwiderhandlung. Nicht nur die Zubereitung des Tees war reglementiert, sondern nach Edo durften auch keine Fremden einreisen. Einzig die Holländer durften auf der künstlich vor Nagasaki aufgeworfenen Insel etwas Handel betreiben. Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert war Japan vor allen Dingen Christen verboten, aber auch andere Ausländer durften das Land nicht betreten. Von äußeren Einflüssen abgeschirmt, entwickelte sich die japanische Teekultur insofern weiter, als sie immer mehr verfeinert wurde. In der heutigen Zeit hat sich trotz eines Hightech-Japans, nicht viel daran geändert.

Tee Plantage

Tee Plantage ©iStockphoto/nicholashan

Russland

Die russischen Völker der südlicheren Regionen trinken Kaffee heute genauso gerne wie Tee. Als der Kaffee noch nicht die Reise über den Atlantischen Ozean angetreten hatte, gehörte Tee genauso in die Zelte der Nomaden und Viehhirten wie in die Häuser der Bürger. Den ersten Tee bekamen die Russen von den Mongolen und er hat Mitte des 17. Jahrhunderts a. D. die Zungen und Mägen der Russen im Sturm erobert. Zunächst probierten die Zaren und das russische Volk tat es ihnen mit5 dem Samowar bald gleich. Tee eroberte Russland im Sturm und die Karawanen zogen unermüdlich zwischen China und Russland hin und her.

Ganz Asien

Im Einflussbereich Chinas stand Tibet schon immer und so verwundert es kaum, dass die chinesischen Teezeremonien auch die der Tibeter waren. Doch neben der klassischen, chinesischen Art des Teetrinkens ist auch der Einfluss der Nomaden dieser Region nicht ausgeblieben. Buttertee oder Tee mit Milch wurden und werden in Tibet genauso gern getrunken wie chinesische Tees. Diese unterscheidet man auch noch einmal nach der Region, aus der sie kommen. China kennt Oolong, Jasmin, Pu-Erh, Roten, Weißen, Gelben und natürlich den unverzichtbaren, Grünen Tee. Natürlich hatten und haben auch die südostasiatischen Länder wie Vietnam, Laos, Kambodscha oder Indonesien ihre eigenen Anbaugebiete für Tee. Wo immer Asiaten wohnten, gehörte Tee einfach dazu.
Wer Asien und Eurasien verlässt und über den einen oder anderen Ozean nach Amerika reist, der findet Catuaba, Mate und Lapacho Tee. Die indignen Völker hatten schon seit langer Zeit ihre eigenen Heißgetränke, die ihnen die Nächte in den Anden oder in den Regenwäldern wärmten. Der Lapachobaum ist ein einheimisches Gewächs und seine Rinde wussten bereits die Inka zu schätzen.

Maghrebinische Teekultur

Die Reise geht wieder zurück nach Afrika, wo Tee in der Maghrebinischen Teekultur den Genuss von Pfefferminztee beschreibt. Der sehr süße Tee wird in hohem Bogen in herrliches Teegeschirr eingegossen. Für die Nomaden von Nordafrika war er für die Versorgung des Körpers mit Flüssigkeit ein absolutes Muss. Durch die Hohe Pforte, die türkische Vorherrschaft im Nordafrika des Mittelalters, kam auch der Kaffee zurück nach Afrika, wo er seine eigentliche Heimat in Äthiopien hat. Doch die wohlschmeckende Pfefferminze Nordafrikas ist bis heute das Volksgetränk Nummer eins von Marokko über Algerien und Tunesien bis hinein in die sandigen Weiten der Sahara. Tee ist dort mehr als nur ein Lebensmittel zur Versorgung mit Flüssigkeit unter hohen Außentemperaturen. Die Maghrebinische Teezeremonie kennt die Widrigkeiten der Wüste und die Beschwerlichkeiten der Karawanen, die in ihr unterwegs waren.

Briten, Holländer und Ostfriesen

Die Reise geht zurück nach Europa, aber nicht auf den alten Kontinent. Auf den Britischen Inseln konnte der Tee des Mittelalters einen wahren Siegeszug antreten. Die Präsenz der Ostindischen Kompanie war über Jahrhunderte von entscheidender Bedeutung für den Export von Tee. Die Briten lieben Tee bis heute und haben ihn aus ihren ehemaligen Kolonien über Jahrhunderte in rauen Mengen ins Land geholt. Den Briten tun es die Anrainer am Ärmelkanal gleich, denn Holländer und Ostfriesen lieben Tee ebenfalls über alles.

Die Klostergärten des Mittelalters

Was aber tranken die Menschen des Mittelalters überhaupt und gab es Tees? Mit Sicherheit kam den Klöstern bei der Zubereitung von Tee die entscheidende Bedeutung zu. Es waren Größen wie Hildegard von Bingen oder der geheimnisvolle Paracelsus, die mit Kräutertees ihre Kranken behandelten. Außerhalb von Klostermauern und den Behandlungszimmern von Doktoren war es nicht ungefährlich, mit Heilkräutern und Tees zu experimentieren. Die Inquisition hatte ein scharfes Auge auf Heilkundige und viele von ihnen endeten auf dem Scheiterhaufen. Eine Verdächtigung durch einen Mitbürger genügte bereits, um in den Fängen der Inquisitoren zu landen.

Mangel an sauberem Wasser

Getrunken wurde Wasser, Bier und Wein und auch Kindern wurde Alkohol eingeschenkt. Natürlich unterschieden sich die Trinkgewohnheiten des Mittelalters ganz nach Stand und Geldbeutel. Arme Leute litten Mangel an sauberem Wasser und die Brunnen jener Zeit verdienten ihren Namen nicht. Krankheiten waren an der Tagesordnung und wer in der Stadt wohnte, musste sein Wasser abkochen. Es wurde viel Bier getrunken, das ebenfalls einst in den Klöstern der deutschsprachigen Regionen einzog. Tee aber hielt zunächst nur zögerlich Einzug in die Haushalte der Region, wo er heute nicht mehr wegzudenken ist. Dabei sind Kräutertees, die vor zweihundert Jahren eine Heilerin das Leben kosten konnten, mittlerweile genau wie der Schwarze Tee in jedem Haushalt zu finden.

Die Ostfriesen und ihr Teekrieg

Der Siegeszug des Tees begann sogar mit einem Teekrieg, denn den Preußen schmeckte es nicht, dass den Ostfriesen der Tee so gut schmeckte. Dort entwickelte sich zu Ende des 18. Jahrhunderts auch eine ganz eigene Teekultur, die ihresgleichen in Deutschland nicht kennt. Im Laufe der Geschichte unternahmen die Ostfriesen einfach alles, um ihren geliebten Tee zu trinken und sie schreckten auch vor Schmuggel nicht zurück. Neben den Ostfriesen sind es auch die Bewohner des Emslands, die ganz besonders gerne Schwarzen Tee trinken. Überhaupt scheint sich Tee im norddeutschen Raum noch mehr etabliert zu haben als im restlichen Deutschland. Wer sich die Geschichte des Tees anschaut, darf allerdings auch nicht vergessen, in wie viele einzelne Königs-, Fürsten- und Herzogtümer das damalige Deutschland unterteilt war. Jeder dieser oft winzigen Staaten hatte seine eigenen Ein- und Ausfuhrzölle, was Tee wie auch andere Spezialitäten teuer machte. Auch wenn das einfache Volk Tee gemocht hätte, so war es doch von diesem Genuss aufgrund seines Preises ausgeschlossen. Es gab allerdings viele Haushalte, in denen einfache Kräutertees gekocht und getrunken wurden. Die Behandlung von Kranken mit Kräutern reicht bis in die Steinzeit zurück und das arme Volk war auf diese Kräuter angewiesen, wenn es überleben wollte.

Tee und Kräutertee heute

Heute sind diverse Tees und Kräutertees in ganz Deutschland nicht nur eine willkommene Alternative zu Kaffeegetränken, sondern Tee gehört vor allen Dingen in den kälteren Jahreszeiten einfach dazu. viele schwören auf einen ganz bestimmten Kräutertee bei Unwohlsein und Weißer, Gelber, Roter, Schwarzer und Grüner Tee sind bei Teetrinkern jeder Region und jeden Alters beliebt. Im Winter sind Tees unverzichtbar und um die Weihnachtszeit wird in Deutschland so viel Tee getrunken wie sonst nie. Ätherische Öle von Bergamotte, Jasminblüten und Zimt wärmen die Glieder und hellen die Sinne auf. Teetrinken schenkt nicht nur innerliche Wärme und Ausgeglichenheit, sondern auch Glücksgefühle. Ob ungesüßt, mit Kandiszucker oder mit feinstem Honig, aus der heutigen Zeit ist Tee einfach nicht mehr wegzudenken.