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Teeverbrauch in Deutschland und weltweit

Tee: das weltweit beliebteste Getränk

Weltweit gehört Tee zum täglichen Leben mit dazu. Vor über 5.000 Jahren wurde Tee von dem chinesischen Kaiser Shennong entdeckt und kultiviert. Über Japan erreichte der Tee im 17. Jahrhundert auch Europa und erlebte einen wahren Siegeszug – und es wird immer mehr Tee getrunken. Zwischen dem 20. und dem 21. Jahrhundert hat sich die Teeproduktion etwa verzehnfacht. Obgleich der Tee sich derart über den Globus verteilt hat, sind dessen Hauptproduzenten immer noch China, Indien und Japan. Dort gibt es eine schier unendliche Vielzahl an Teesorten, die für sich wiederum auf verschiedenste Art und Weise zubereitet werden können. Vorreiter für den Teekonsum in Europa waren die Briten. Noch heute gelten sie dem Tee als sehr verbunden und ihre Teekultur als typisch britisch. Jedem ist in diesem Zusammenhang der Ausspruch „it’s tea time“ ein Begriff. Den Durchbruch des Tees, von vielen Kritikern verschrien, aber doch praxisfreundlich, brachte der Teebeutel – das Convenience-Produkt Tee war geschaffen und brachte dem Tee weiteren Aufschwung. Bemerkenswert ist, dass Deutschland (bzw. ein Teil von Deutschland) den größten Verbrauch an Tee hat: nämlich Ostfriesland mit einem Jahresverbrauch von circa 300 Litern pro Kopf. Im Besonderen wollen wir nun auf den Teeverbrauch in Deutschland eingehen. Damit einhergehend wird natürlich auch der Teeverbrauch in Ostfriesland nähere Betrachtung finden.

Wie kam der Tee nach Deutschland?

Im 17. Jahrhundert, wie bereits angedeutet, gelangte der Tee auch nach Europa. Damals besaß die Niederländische Ostindien-Kompanie das Monopol für den Handel mit Asien und somit auch den Zugang zu dem Tee. Über die See wurde der Tee verschifft und büßte dadurch erheblich an Qualität ein, da die Feuchtigkeit in den muffigen Lagern der Transportschiffe diesem nicht gut tat. Darüber hinaus dauerte eine Überfahrt von Asien nach Europa mindestens ein halbes Jahr. Faktoren, die die Qualität des Tees deutlich minderten. In der Mitte des 17. Jahrhunderts gelangte der Tee dann auch nach Deutschland – zunächst jedoch nach Ostfriesland, wo sich eine Teekultur entwickelt hat, die bis heute anhält.

Die Teekultur in Ostfriesland

Bereits im 18. Jahrhundert war Tee in Ostfriesland weit verbreitet. Heute noch sind die Teezeremonien dort ein fester Bestandteil des täglichen Lebens, dem sich auch Besucher aus anderen Teilen Deutschlands und der Welt nicht entziehen können – bedeutet das Teetrinken doch eine kurze und genussvolle Ruhepause und eine kurze Unterbrechung des Alltagslebens. Hier greifen die Ostfriesen auf ihren Ostfriesentee, eine Schwarzteemischung aus bis zu 20 verschiedenen Tees, zurück. Dieser Tee wird in eine wunderschön verzierte, aufgewärmte Kanne gegeben und dann mit sprudelnd kochendem Wasser übergossen. Auf dem Stöfchen darf der Tee fünf Minuten ziehen, bevor er durch ein Sieb in eine Servierkanne umgegossen wird. Der Teetrinker gibt daraufhin mit einem Kluntjeknieper ein bis zwei Kluntje (Zuckerkandisbrocken) in die Tasse und gießt danach Tee in die Tasse ein. Dabei entsteht durch den Zucker ein leises Knistergeräusch. Zum Schluss wird noch etwas Sahne zum Tee gegeben, die sich wie Wolken im Tee abzeichnen können. Gerührt wird der Tee nicht, damit die drei Schichten des Tees nicht vermischt werden. Diese sollen gerade erhalten bleiben: die süße untere Kandisschicht, die herbe Teeschicht und die obere und cremige Sahneschicht. Bei einem derartigen Hochgenuss ist es nicht verwunderlich, dass die Ostfriesen mit ungefähr 300 Litern Tee pro Kopf und Jahr Weltmeister im Teetrinken sind. Wie ist aber der Teekonsum im restlichen Deutschland?

Teeverbrauch

Teeverbrauch ©iStockphoto/gpointstudio

Wie viel Tee trinken die Deutschen?

Das restliche Deutschland brauchte seine Zeit, um sich mit dem Tee anzufreunden. Die positive Bilanz ist aber, dass die Deutschen ihren Teekonsum stetig steigern. Durchschnittlich trinken die Deutschen etwa 27 Liter Tee im Jahr. Dies ist natürlich etwas verzehrt, da die Ostfriesen so viel Tee trinken. Der Trend zeigt aber, dass der Teeverbrauch in Deutschland stetig zunimmt. 2011 lag der Gesamtverbrauch an Tee bei 18.490 Tonnen, während er 2012 auf 18.960 Tonnen anstieg – ein Plus von 2,5%. Besonders beliebt sind dabei Schwarz- und Grüntees, aber auch Früchte- und Kräuterteemischungen. Auch deren Mischungen untereinander sprechen für die großartige Vielseitigkeit von Tee. Dabei wird in Deutschland am häufigsten auf Beuteltee zurückgegriffen. Nur bei etwa 20% des in Deutschland konsumierten Tees wird loser Tee verwendet.

Teeverbrauch und Teekultur der Briten und der Russen

Wenn man in Europa das Stichwort „Teekultur“ hört, so denkt man automatisch an die britische Teestunde. In Großbritannien ist Tee mehr als nur eine tägliche Gewohnheit, sondern streng reglementiert. Gleich am Morgen starten viele Briten den Tag mit einem „early morning tea“ – beispielsweise einer kräftigen und würzigen Assam-Mischung oder eine mild-würzigen Earl Grey. Etwas später wird gewöhnlich ein „breakfast tea“ genossen, während die Mittagszeit bis 16 Uhr teefrei ist. Ab 16 Uhr wird in Briten wieder Teezeit ausgerufen und hierzu Sandwiches oder Teebrot (verschiedene Hefegebäcke) gereicht. Die Briten sind dem Tee also sehr verbunden; ein Brite trinkt pro Jahr durchschnittlich 200 Liter Tee. Ein Ire demgegenüber circa 250 Liter. Auch in Russland ist Tee sehr beliebt. Der Samowar (ein Wasserbehälter bzw. Wasserkocher aus Kupfer) gilt als Nationalsymbol und ist in jedem Haushalt zu finden. Da die russischen Winter extrem kalt sind, wappnet man sich mit diesem gegen die teils extreme Kälte. Auf dem Samowar befindet sich eine Kanne, in der sich ein konzentrierter Teeaufguss befindet, der mit dem heißen Wasser aus dem Samowar aufgegossen wird. Viele Russen geben an, jeden Tag Tee zu trinken. Der genaue Verbrauch kann aber nur abgeschätzt werden und liegt wahrscheinlich zwischen 180 und 250 Litern pro Jahr und Kopf.

Teeverbrauch weltweit

In Europa trinken die Ostfriesen, die Briten, die Iren und die Russen sehr viel Tee. Wie sieht dies aber weltweit betrachtet aus? Hierbei sind natürlich zunächst die Chinesen zu nennen, die mit der Kultivierung von Tee begonnen haben. Besonders beliebt ist bei den Chinesen purer grüner Tee; Sahne, Zucker, Kandis oder Zitronensaft sind verpönt. Wer zu einer chinesischen Teezeremonie eingeladen wird, wird Teil eines meditativen Erlebnisses. Zunächst wird die Kanne von außen und innen mit heißem Wasser aufgewärmt, danach die Teeschalen für die Gäste. Die Kanne wird daraufhin mit Teeblättern (in der Regel Grüntee) und heißem Wasser gefüllt. Unter kreisenden Bewegungen wird der Tee zunächst gereinigt und der Aufguss in die Teeschalen gegossen. Dieser Aufguss wird jedoch noch nicht getrunken, da dieser nur den Geschmack an die Schalen abgeben soll. Danach wird der Tee erneut (meist für jeden einzelnen Gast) aufgegossen, bis zu 30 Sekunden ziehen gelassen und in die Teeschale gefüllt. Obgleich in China sehr viel Tee getrunken wird, hat das Land nicht den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch haben Paraguay, Uruguay, Argentinien und Kuwait. In Kuwait verbraucht eine Person im Jahr etwa 3,8 kg Tee bei einer Trinkmenge von knapp 300 Litern. Aber auch in den arabischen Staaten ist Tee ein sehr beliebtes Getränk. Hier bringen es Länder wie Afghanistan, die Türkei und Syrien auf knapp 200 Liter pro Person und Jahr.

Deutschland im weltweiten Vergleich

Deutschland liegt im Konsum von Tee eher auf einem der hinteren Ränge, obgleich eine tendenzielle Steigerung zu einem höheren Teekonsum erkennbar ist. Alleine die Ostfriesen heben den Schnitt von Deutschland erheblich an, da sie die Weltmeister im Teetrinken sind. In Asien und Arabien wird der meiste Tee getrunken, aber zum Beispiel auch in Argentinien. Bei den Bewohnern dieser Länder liegt der Teekonsum zwischen 200 und 300 Litern pro Jahr – also ungefähr zehnfach so hoch wie der Konsum der Deutschen.