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Alkaloide im Tee

Alkaloide sind Pflanzeninhaltsstoffe, wie sie als Koffein, Theophyllin und Theobromin auch in den für die Zubereitung von Tee verwendeten Bestandteilen des Teestrauchs vorkommen. Abhängig von Herkunft, Sorte, Herstellung und Zubereitung entfalten die zu den Purinen gehörenden Verbindungen ihre Wirkungen. Allgemein gilt Tee als bekömmlich und es wird ihm eine beruhigende Wirkung nachgesagt.

Tee – Kurzer Überblick zu Herkunft, Arten und Sorten

Die Wurzeln des Tees finden sich in China. Für viele Jahrhunderte war die Pflanze lediglich im Reich der Mitte bekannt. Erst im 19. Jahrhundert kam Indien als Produzent hinzu. Noch heute liegen bedeutende Anbauregionen in Ostasien. Als Tee in der eigentlichen Bedeutung bezeichnet man ein aus verschiedenen Bestandteilen des Teestrauchs wie Blätter, Blüten oder Stängeln zubereitetes heißes Aufgussgetränk. Teearten unterscheiden sich vor allem im Grad der Oxidation und werden eingeteilt in:

Schwarzer Tee
Grüner Tee
– Oolong
Weißer Tee.

Von den einzelnen Arten existieren je nach Weiterverarbeitung viele verschiedene Sorten. Bekannt und verbreitet sind unter anderem „Gunpowder“, „Darjeeling“, „Assam“, „Earl Grey“, „Sen Cha“, „Jun Shan Yin Zhen“ und viele Weitere.

Die Alkaloide im Tee

Wie überall in der Natur treten die Alkaloide Koffein, Theophyllin und Theobromin auch in den Bestandteilen des Teestrauchs immer gemeinsam auf. Sie entfalten ihre Wirkungen analog zum Kaffee, Espresso, Mate und in neuerer Zeit auch Energydrinks, tun dies aufgrund einiger Besonderheiten des Tees aber wesentlich schonender. Zu verdanken ist die gute Bekömmlichkeit des Aufgussgetränks der Wechselwirkung zwischen den drei Alkaloiden und anderen Inhaltsstoffen.

Alkaloide im Tee

Alkaloide im Tee ©iStockphoto/theo_stock

Koffein

Es ist das bekannteste im Tee enthaltene Alkaloid und entspricht seiner Wirkung und Zusammensetzung nach seinem Pendant im Kaffee. In Abgrenzung dazu wurde es auch als Tein bezeichnet. Seine Entdeckung soll der Initiative des großen deutschen Dichters Goethe zu verdanken sein, der wissen wollte, welcher Wirkstoff im Kaffee die anregende Wirkung entfaltet. Der Name verweist auf das Vorkommen des Alkaloids im Kaffee. Chemisch betrachtet gehört es zu den Purinen und leitet sich vom Xanthin ab.

Aufgrund der Inhaltsmenge im Tee und der vergleichsweise intensiven Wirkung gilt diese Verbindung als Hauptalkaloid. Das stark stimulierende Koffein gehört zu den psychotropen Substanzen. Von den auf der Welt konsumierten pharmakologisch wirksamen Stoffen liegt Koffein auf Platz eins.
Bereits in der Teepflanze selbst leistet das Alkaloid wichtige Dienste. Es fungiert besonders in Keimlingen als natürliches Insektizid und betäubt oder tötet Fressfeinde und andere Schädlinge.

Im Teeaufguss entfaltet Koffein zusammen mit den beiden Ko-Alkaloiden rasch seine Wirkung. Der Genuss von Tee als Stimulans gilt nicht nur als bekömmlicher und sogar nachhaltiger als der von Kaffee, er ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Ursache für diesen Effekt ist unter anderem die Röstung des Kaffees, durch die viele Stoffe, die den Verzehr bekömmlicher machen, verloren gehen. Im Tee hingegen bleiben sie erhalten und sorgen für einen allmählichen Koffeinabbau im Körper. Von vielen Konsumenten wird das aber so nicht wahrgenommen, da die vergleichsweise geringe Wassermenge des Kaffees Geschmack und Wirkung intensiver erscheinen lässt.

Der Konsum von Tee zeigt durch das Koffein unter anderem folgende Effekte:
– Anregung der Darmtätigkeit
– Förderung des Stoffwechsels
– Kräftigung des Herzens
– Bronchialerweiterung
– Erhöhung der Pulsfrequenz
– Anregung der Harnausscheidung
– direkte Stimulierung des Zentralnervensystems
– u. v. a. m.

Letzteres beruht auf der Fähigkeit des Koffeins, die Blut-Hirn-Schranke fast ungehindert passieren zu können. Regelmäßiger Konsum von Koffein in hohen Dosen kann zur sogenannten Toleranz führen, durch die die stimulierende Wirkung erheblich nachlässt. Verringert man die Dosis oder verzichtet sogar gänzlich auf den Genuss von Tee und anderen koffeinhaltigen Getränken, kann es für kurze Zeit zu Entzugserscheinungen kommen. Die gesundheitsfördernden Aspekte des Koffeinkonsums sind bisher noch nicht komplett erforscht. Unbestritten wirkt es sich positiv auf die Atemwege aus und verstärkt die Wirkung bestimmter Schmerzmittel. Bei Leberzirrhose und Herzerkrankungen sollte koffeinhaltiger Tee jedoch gemieden werden, ebenso wie er für Schwangere und während der Stillzeit nicht in Frage kommt.

Theophyllin

Erstmals nachgewiesen wurde dieser Wirkstoff in den Blättern des Teestrauchs. Auf diese Entdeckung ist der Name zurückzuführen. Weitere Vorkommen des Alkaloids finden sich in Kaffeebohnen, in Guarana und Kolanüssen. Verglichen mit den beiden anderen Alkaloiden der Dreiergruppe Koffein-Theobromin-Theophyllin, ist der Gehalt relativ gering. Im Tee ist er sogar geringer als beispielsweise in Guarana. Theophyllin wird daher auch als Nebenalkaloid bezeichnet. Beim Abbau von Koffein im menschlichen Körper entsteht ebenfalls Theophyllin. Um therapeutisch wirksam zu sein, weist der „normale“ Tee nicht genügend Gehalt an Theophyllin auf. Das lediglich in Spuren im Getränk gelöste Alkaloid hat sicherlich eine allgemein dem Wohlbefinden zuträgliche Wirkung, um tatsächlich gegen Krankheiten eingesetzt zu werden, muss man es in angereicherte Form verabreichen. Dann ist es wirksam bei Bronchial- und anderen Atemwegserkrankungen.

Als Bestandteil im Tee wirkt es herzkräftigend und harntreibend, wird auf diesen Gebieten aber nicht oder nicht mehr als Medikament eingesetzt. Die erschlaffende Wirkung von Theophyllin auf die glatte Muskulatur trägt zu dem Gefühl der Entspannung bei, das oft nach dem Trinken von Tee auftritt. Der Verzehr von Tee mit einem relativ hohen Anteil an Theophyllin sollte bei bestimmten Erkrankungen oder Symptomen vermieden werden. Dazu gehören Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie, Schilddrüsenüberfunktion und die Stoffwechselkrankheit Porphyrie. Im Zweifelsfall ist es auf jeden Fall besser, auf Tee verzichten. Das gilt auch während Schwangerschaft und Stillzeit.

Theobromin

„Theobromin“ bedeutet „Gottesspeise“. Es ist das Dritte der im Teestrauch vorkommenden Purin-Alkaloide und wirkt in vielen Belangen ähnlich wie das Koffein. Es stimuliert, regt den Harntrieb an, erweitert die Gefäße, kräftigt das Herz und fördert die Durchblutung des Gehirns. Daneben sorgt das Theobromin im Tee für eine Aufhellung der Stimmung. Bei diesem Alkaloid sind die Wirkungen aber weder so intensiv wie beim Koffein noch so lange anhaltend. Durch den Gehalt an Theobromin kann der Verzehr von normalem Tee bereits Linderung bei Hustenanfällen bewirken. In akuten Fällen müssen hier aber Mittel mit eingesetzt werden, die künstlich mit dem Wirkstoff angereichert wurden.

Zu den allgemeinen Wirkungen

So gut die allgemeinen Wirkungen von Tee und seinen Bestandteile auch erforscht sind, so wenig lassen sie sich für die einzelne Tasse oder Kanne im Detail vorhersagen. Das Gelingen hängt von vielen miteinander in Wechselwirkung stehenden Faktoren ab. Es beginnt mit der Herstellung des Tees und den Umwelteinflüssen, die sich auf die Konzentration der Bestandteile in den Pflanzen auswirken. Bodenbeschaffenheit, klimatische Einflüsse, Wetter und Regen, Sonne und Zeitpunkt von Anpflanzung, Blüte, Reife und Ernte spielen jeweils ihre Rollen, die sich zu einem Gesamteinfluss addieren. Nach Produktion und Transport kommt es auf die Art der Zubereitung an. Von der Temperatur des Wassers hängt es ab, in welcher Form und wie umfangreich die Alkaloide im Tee aufgeschlossen werden. Ebenso wirkt sich die Ziehzeit aus. Allgemein gesagt, ist Tee ein umso kräftigerer Muntermacher, je kürzer er nach dem Aufbrühen zieht, da die anregenden Inhaltsstoffe beim Überschreiten einer bestimmten Dauer allmählich abgebaut werden.
Trink- und Zubereitungsgewohnheiten haben demnach einen großen Einfluss auf die Qualität des Tees. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die einzelnen Komponenten wie Trinktemperatur, aber auch die Entscheidung, den ersten Aufguss abzugießen, um den Zweiten zu trinken, den Trinkgenuss beeinflussen. Ein Teeliebhaber wird sich zudem immer über die Wasserhärte informieren, da der Bestandteil an Mineralien im Wasser einen erheblichen Einfluss auf die Qualität des Getränks hat.

Risiken

Die Gefährdungen durch Tee-Alkaloide sind eher unspezifischer Natur. Sie sind stark vom Konsumverhalten des Einzelnen abhängig. Tee zählt zu den Genussmitteln und der wichtigste Inhaltsstoff Koffein ist als psychotrope Verbindung eine der wirksamsten Stimulanzien. Ein übermäßiger Konsum oder gar ein Missbrauch können zu Nervosität, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit und damit Übermüdung führen. Zur Ausbildung von Toleranz und möglichen Entzugserscheinungen siehe die Bemerkungen im Abschnitt zum Koffein. Im Allgemeinen aber geht von Teekonsum keine Gefährdung aus.

Auffälligkeiten in Kräutertees, wie sie im Jahr 2013 festgestellt wurden, haben mit den Purin-Alkaloiden im schwarzen und grünen Tee nichts zu tun. Seinerzeit war von unerwartet hohen Konzentrationen der in der Natur als Giftstoffe vorkommenden Pyrrolizidin-Alkaloide in verschiedenen Kräutertees die Rede. Einige Wildkräuterarten schützen sich mit diesen biologischen Mitteln gegen Fressfeinde. Eine Empfehlung zum Verzicht auf diese Teesorten konnte aber nicht ausgesprochen werden. Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass besonders Kinder nicht ausschließlich Kräutertee trinken sollten. Abwechslung sorgt auch in diesem Bereich für Ausgewogenheit.

Ein Wort zum Schluss

Teetrinken ist nicht nur der Konsum eines Getränks und Genussmittels. Seit Jahrhunderten werden Zubereitung, Darreichung und Verzehr gerade in Asien auf einem sehr hohen Niveau kultiviert. Die Briten übernahmen etwas von dieser Tradition mit dem „Five o’Clock Tea“. Wenn es in unserer heutigen schnelllebigen Zeit oft auch nicht möglich ist, jede Tasse Tee zu zelebrieren, sollte man sich dazu wenigstens ein paar Momente Ruhe gönnen. Die positiven Effekte der Alkaloide im Tee, die zugleich in Stimulans und Beruhigung liegen, kommen auf diese Weise nämlich viel angenehmer zur Geltung.

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