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Der Frühstückstee

Über die Frage, ob der Tag mit einer frischen Tasse Tee oder Kaffee begonnen werden sollte, scheiden sich die Geister. Kaffee scheint in unserem Kulturkreis als dringend benötigter morgendlicher Kick die absolute Vormachtstellung zu genießen. Doch nicht nur Kaffee hat durch das darin enthaltene Koffein eine anregende Wirkung, auch die Inhaltsstoffe in schwarzem und grünem Tee machen den noch schläfrigen Geist am Morgen wach und fördern die Konzentrationsfähigkeit. Daher ist die Entscheidung, ob man zum Frühstück Kaffee oder Tee trinkt, eher eine Frage des individuellen Geschmacks als der tatsächlichen Wirkung. Leidenschaftliche Teetrinker sehen in ihrer Gewohnheit, auch am Morgen eine Tasse Tee zu genießen, einen Ausdruck ihres Lebensstils. Die anregende Wirkung der aufgebrühten Teeblätter war den Menschen schon vor vielen Jahrhunderten bekannt, und daher wurde das Getränk in China lange, bevor Tee und Kaffee ihren Siegeszug durch die ganze Welt antraten, in den frühen Stunden des Tages genossen. Eine regelrechte Kultur um den Frühstückstee hat sich in Europa und den USA jedoch erst im 19. Jahrhundert entwickelt und ist – wie könnte es anders sein – den Bemühungen der Briten zu verdanken.

New York City, 1843 – Vermutlich die Geburtsstunde des Frühstückstees

Obwohl zahlreiche unterschiedliche Geschichten um die Entstehung des legendären „English Breakfast Teas“ existieren, wird vermutet, dass die erste Schwarztee-Mischung, die als „Frühstückstee“ verkauft wurde, im Jahr 1843 in den Vereinigten Staaten über den Ladentisch ging. Der Teehändler Richard Davies – nicht zufällig ein gebürtiger Engländer, der sich in New York niedergelassen hatte – experimentierte als Erster mit solchen Rezepturen.

In dieser Zeit wurde der Tee fast ausschließlich aus China nach Großbritannien und Amerika importiert, und die chinesischen Sorten entsprachen dem allgemeinen Geschmack. Als Basis nahm Davies daher den sogenannten Congou, einen ausschließlich aus der chinesischen Provinz Quimen stammenden Tee, der einst als die teuerste Schwarztee-Sorte der Welt galt. Congou war vor allem wegen seines rauchigen und gleichzeitig sirupartigen Geschmacks ein hochbegehrtes Getränk. Davies mischte diese Sorte mit etwas Pekoe und Pouchong und verkaufte seine Kreation als „English Breakfast Tee“ in seinem Laden für den stolzen Preis von fünfzig Cent pro Pfund. Sein herausragender Erfolg machte den Namen dieses Tees bald auch in Großbritannien bekannt, wo immer mehr Teehändler mit den Mischverhältnissen experimentierten, bis sogar Königin Victoria höchstpersönlich ihren liebsten English Breakfast Tea zu einem wichtigen Teil ihrer morgendlichen Routine machte.

Eine andere Theorie besagt, dass English Breakfast Tea im schottischen Edinburgh erfunden wurde, wo ein Teehändler den Namen als Marketing-Strategie benutzte. Die genaue Herkunft lässt sich wohl kaum mehr nachvollziehen, über das Geburtsjahr 1843 sind sich die vielen „Teeexperten“, die sich über die Entstehung des English Breakfast Teas streiten, allerdings einig. Heute können Anhänger starker Mischungen, die sich für den Genuss am Morgen besonders eignen, zwischen English, Irish und Scottish Breakfast Tea wählen. English Breakfast Tea gilt jedoch als die meistgetrunkene Schwarztee-Mischung auf der ganzen Welt.

Vom „Afternoon Tea“ zum „Breakfast Tea“

Der Brauch, am Nachmittag eine Teezeremonie abzuhalten, hatte in Großbritannien, dem Geburtsland des Genusses von Schwarztee, schon lange Tradition, als die Menschen allmählich damit begannen, das Getränk auch nach dem Aufstehen zu konsumieren. Allerdings war der „Fünf-Uhr-Tee“, der traditionellerweise mit winzigen Gurkensandwiches serviert wurde, ausschließlich eine Gepflogenheit der oberen Gesellschaftsschichten. Schon im frühen 19. Jahrhundert war es in Großbritannien allgemein üblich, ein üppiges Frühstück und ein leichtes Mittagessen einzunehmen. Der Fünf-Uhr-Tee, der in Großbritannien auch heute noch zu besonderen Anlässen ausgiebig zelebriert wird, diente sozusagen als Überbrückung vom leichten Lunch zum späten Abendessen. Allmählich wurde Schwarztee auch den Menschen der Arbeiterklasse zugänglich, die ihn jedoch aus Kostengründen mit billiger Milch vermischt tranken, während die Aristokraten und reichen Bürger es sich leisten konnten, ihren hochwertigen Tee pur zu genießen. Die Zugabe von Milch verlangte jedoch nach kräftigen Sorten, die einen gewissen Teil ihres Geschmacks auch im Mischverhältnis behielten. Die Arbeiter tranken ihren Tee zudem schon in der Früh, um die langen und harten Schichten in den Fabriken durchstehen zu können. Die koffeinreichen Sorten wie Assam oder Ceylon wurden daher als Frühstückstee immer populärer.

Der Frühstückstee

Der Frühstückstee ©iStockphoto/pressdigital

Arten und Zubereitung von Frühstückstee

Die drei berühmten Sorten English, Irish und Scottish Breakfast Tea werden von unterschiedlichsten internationalen Produzenten hergestellt und sind in vielen Qualitäten in loser Form und in Teebeuteln erhältlich. Obwohl die Sorten, aus denen die englischen Mischungen ursprünglich bestanden, ausschließlich aus China stammten, werden für schwarze Frühstückstees heute meist Sorten aus Indien, Sri Lanka, Indonesien und Afrika verwendet. Durch die Opiumkriege mit China Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Briten, nach anderen Möglichkeiten des Teeanbaus zu suchen, wodurch sich die Sorten aus diesen Ländern allmählich durchsetzten und bis heute die Grundlage der Mischungen bilden.

Der meist in roten Dosen und Schachteln verpackte English Breakfast Tea besteht aus unterschiedlichen Mischverhältnissen zwischen Ceylon-, Assam und Kenya-Sorten. Die Hersteller teurerer Mischungen fügen ihren Rezepturen oft auch den hochwertigen Keemun, einen fruchtig-blumigen Schwarztee aus China zu. Solche Mischungen sind jedoch nicht im Supermarkt, sondern ausschließlich in spezialisierten Läden erhältlich. Leidenschaftliche Anhänger schätzen ihren English Breakfast Tea nicht nur wegen seines vollmundigen Geschmacks, sondern auch wegen seines robusten und reichhaltigen Aromas. English Breakfast Tea wird hauptsächlich mit Milch oder Sahne sowie Zucker oder Honig verfeinert und gilt in England als der ideale Begleiter eines herzhaften „Full English Breakfast“, das meist aus Eiern, Speck, Würstchen, Baked Beans, gebratenen Kartoffeln, Tomaten und Pilzen besteht. In England wird gesagt, dass eine starke Tasse Tee ein traditionelles englisches Frühstück leichter „hinunterspült“. Nebenbei hat der Koffeingehalt im Frühstückstee auch den Vorteil, dass er die Aufnahme des Cholesterin hemmt, das eine solch üppige und fettreiche Mahlzeit enthält.

Der im Vergleich zum englischen Pendant deutlich stärkere „Irish Breakfast Tea“ stellt meist eine Mischung aus verschiedenen Assam-Sorten dar. Viele der Hersteller von Irish Breakfast Tea kreieren eigene Rezepturen für den europäischen und den US-amerikanischen Markt. Der traditionellerweise in einer grünen Verpackung verkaufte Irish Breakfast Tee begeistert seine Anhänger durch einen im Vergleich zu den englischen Sorten kräftigeren Geschmack und einen höheren Gehalt an Koffein. Die stärksten Mischungen unter den Frühstückstees werden unter dem Namen „Scottish Breakfast Tea“ verkauft, der in Geschmack und Farbe dem hierzulande beliebten starken Ostfriesentee sehr ähnlich ist. Es wird vermutet, dass der Härtegrad des schottischen Wassers nach stärkeren Sorten verlangte. Da es jedoch keine Regulationen gibt, welche Sorten in welche Mischung gelangen müssen oder dürfen, sind starke Unterschiede von Hersteller zu Hersteller festzustellen. Der „English Breakfast“ des einen Produzenten kann daher identisch schmecken und die gleiche Farbe aufweisen wie der „Irish Breakfast“ des Konkurrenzunternehmens.

Obwohl solche Mischungen immer noch die traditionellen Namen des „Breakfast Tea“ tragen, werden sie heute nicht nur in den frühen Morgenstunden, sondern auch tagsüber gerne getrunken. Viele Menschen, nicht nur in Großbritannien und den USA, sondern auch in Europa haben in diesen im Geschmack unverwechselbaren Sorten ihren Lieblingstee gefunden und trinken ihn pur, mit Milch oder mit etwas Zitrone verfeinert.
Im Gegensatz zu Kaffee, dessen Koffein innerhalb kürzester Zeit vom Körper aufgenommen wird, werden die anregenden Wirkstoffe im Tee nur langsam abgegeben, der Effekt hält jedoch auch wesentlich länger an. Früher wurde der im Tee enthaltene Wirkstoff als „Tein“ bezeichnet, heute weiß man jedoch, dass es sich dabei um die chemisch exakt gleiche Substanz wie Koffein handelt. Die Wirkung des Koffeins kann jedoch bei der Zubereitung von Tee abhängig von dessen Ziehzeit reguliert werden. Zieht Schwarztee länger als drei Minuten, wird die Aminosäure L-Theanin aus den Blättern gelöst, die die Aufnahme des Koffeins im Körper hemmt. Die im Tee enthaltenen Katechine machen darüber hinaus das Koffein verträglicher. Wer eine muntermachende Tasse Tee am Morgen genießen möchte, lässt die Blätter daher nur etwa zwei Minuten im Wasser. Lange gezogener Frühstückstee mit Milch und Honig ist hingegen ein ideales Getränk am Nachmittag und Abend, da er eine angenehm beruhigende Wirkung entfaltet.

Grüner Tee – Gesunder Start in den Tag

Heute ist allgemein bekannt, dass Tee, egal ob Schwarz- oder Grüntee unzählige positive Effekte auf die Gesundheit von Gehirn, Knochen, Zähnen und Zellen haben kann. Deutsche Wissenschaftler haben allerdings herausgefunden, dass die Zugabe von Milch die Aufnahme der heilenden Wirkstoffe im Körper behindert, da diese an die Kasein-Proteine in der Milch gebunden und somit vom Organismus nur zu geringem Teil verwertet werden. Wer Schwarztee ohne Milch nicht mag, auf die gesundheitlichen Vorteile von Tee aber nicht verzichten möchte, kann stattdessen mit einer schmackhaften Tasse Grüntee den Tag beginnen. Grüner Tee gilt als eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt, da er nachweislich vor über sechzig Krankheiten schützt. Da er im Zuge des Herstellungsprozesses im Gegensatz zu Schwarztee nicht fermentiert, bleiben die heilenden Wirkstoffe im Blatt zur Gänze erhalten und werden direkt im Zuge der schonenden Zubereitung an den Aufguss abgegeben.

Die Auswahl reicht bei Grünem Tee von herben und starken bis zu zarten und blumig-fruchtigen Sorten mit Jasmin-Aroma. Qualitativ hochwertiger Grüner Tee kann zudem mehrmals aufgegossen werden und verändert mit jedem Mal seinen Geschmack. Unter den insgesamt fast tausend Sorten von Grünem Tee kann jeder seinen Lieblingstee mit dem entsprechenden Koffein-Anteil finden. Als besonders milde Sorten gelten beispielsweise Bancha, Karigane oder Genmaicha, als leistungssteigernde Wachmacher, die in der Wirkung durchaus mit Kaffee mithalten können, werden vor allem Matcha und Sencha empfohlen.

Roibos Tee – Die koffeinfreie Alternative am Morgen

Roibos Tee begeistert wegen seines fruchtig-herben Geschmacks und seiner leichten Süße und erfreut sich seit einigen Jahren in Europa wachsender Beliebtheit. Er kann sowohl mit Milch verfeinert, als auch mit Zitrone und Fruchtsaft aromatisiert werden und ergibt mit Honig gesüßt einen wohlig-warmen Genuss. Da er kein Koffein enthält, kann ungesüßter Roibos Tee sogar von Kleinkindern getrunken werden und leistet wegen seines hohen Gehalts an Fluor, Eisen und vielen anderen Mineralstoffen und Vitaminen einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit. Obwohl er nicht als Tee im herkömmlichen Sinn gilt, steht er in seiner gesundheitlichen Wirkung dem Schwarz- und Grünen Tee um nichts nach. Auch Roibos Tee enthält verschiedene Flavonoide, die die Zellen schützen und freie Radikale unschädlich machen, erhält die Zahn- und Knochensubstanz und beugt degenerativen Krankheiten vor. Mit koffeinfreiem Roibos Tee können schon kleine Kinder in die Kultur des Frühstückstees eingeweiht werden und ihren Tag mit einem höchst gesunden und dabei bekömmlichen und schmackhaften Getränk starten.