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Die richtige Teezubereitung

Der Weise Herr Xu kannte schon vor bald 2000 Jahren die beste Zeit zum Teetrinken: wenn die Augen müde vom Lesen und die Kinder aus dem Haus sind, Herz und Hände in Muße weilen, bei leichtem Wind und freundlicher Sonne oder auch bei leichtem Regen in der Dämmerung. Man findet also immer einen Anlass zum Teetrinken. Die Frage nach der richtigen Zubereitung der edlen Blätter bietet damals genau wie heute beständigen Gesprächsstoff. Vorab sei gesagt: gut ist was schmeckt. Um jedoch Teeblättern den richtigen Geschmack zu entlocken, gibt es allerdings eine ganze Reihe lang überlieferter Empfehlungen. Neben der kenntnisreichen Auswahl der passenden Teesorte, des geeigneten Zubehörs und der Zubereitungsweise, kommt es nur noch auf ein paar entscheidende Kleinigkeiten an, um den perfekten Teegenuss zu erleben.

Die passende Teekanne und Teetasse

Alles steht und fällt mit der Auswahl und der Behandlung der richtigen Teekanne. Sie sollte möglichst nicht aus Metall sein, da dies den Teegeschmack beeinflussen kann. Eine Ausnahme bilden hochwertige japanische Kannen aus Gusseisen, die innen emailliert sind. Unter Teekennern sind vor allem Kannen aus Glas, Keramik oder auch Ton stärker verbreitet. Entscheidend ist die richtige Behandlung der Teekanne. Sie sollte einzig und allein für Tee benutzt werden, idealerweise nur für die gleiche Sorte. Auf gar keinen Fall darf man Kaffee und Tee in der gleichen Kanne zubereiten. Entgegen landläufiger Meinung ist eine starke Patina kein Garant für guten Geschmack. Sie zeugt eher von mangelnder Hygiene und lässt echte Teekenner die Augen verdrehen. Man darf die Kanne ruhig mit Spülmittel reinigen, sollte sie anschließend aber immer gut ausspülen und abtrocknen. Die Kanne wird vor dem eigentlichen Aufbrühen des Tees mit heißem Wasser vorgewärmt. Ideal sind zwei Teekannen, eine um den Tee darin aufzusetzen und abzugießen, die zweite zum Servieren. Ein Stövchen zum Warmhalten des Tees ist unnötig, denn qualitativ hochwertiger Tee sollte immer frisch aufgebrüht und nicht warm gehalten werden.
Teetassen sollten bei feinen Tees dünnwandig sein, schwere und eher anspruchslosere Schwarztees darf man aber auch gern aus dem Teepott genießen. Wer es edel mag, greift auf Dunoon Tassen aus Fine Bone China Porzellan zurück.

Teesiebe und Filter

Hochwertiger Tee wird lose und nicht in Beuteln gehandelt. Guter Tee braucht Raum, um seinen vollen Geschmack zu entfalten. Teeblätter sollten daher nicht in Tee-Eier oder ähnliche Zwangsbehältnissen gezwängt werden. Ideal ist, den Tee lose in der Kanne aufzubrühen und dann abzugießen. Alternativ lässt sich ein großes Teesieb, ein großes Baumwollnetz, oder ein durchscheinender Papierfilter verwenden.

Auf klares Wasser kommt es an

Teepuristen bevorzugen frisches Quellwasser. Zu hartes Wasser erzeugt unerwünschten Tee-Schaum. Wer nicht in der Nähe eines Naturschutzgebietes wohnt, braucht aber nicht auf Geschmackserlebnisse verzichten, denn auch mit stillem Wasser aus der Flasche kann ein wunderbarer Tee entstehen. Wer Leitungswasser verwenden möchte, sollte über die Anschaffung eines Wasserfilters nachdenken, denn ungelöste Schwebstoffe, Kalkreste und Chlor beeinflussen den Teegeschmack auf unangenehme Weise. Stark chlorhaltiges Wasser kann auch durch zwei- bis dreiminütiges Abkochen verbessert werden. Teekenner legen jedoch Wert auf möglichst sauerstoffhaltiges Wasser. Der Tee sollte daher nicht zu lange gekocht werden und schon einmal aufgekochtes Teewasser kommt nur in Frage, wenn der Tee ohnehin mit Milch und Zucker übertönt werden soll. Im Allgemeinen sollten Schwarztees mit kochendem Wasser überbrüht werden, grüne Tees mit auf 70°C abgekühltem Wasser.

Die Länge macht das Gift – Teemenge und Ziehdauer

Wieviel Tee soll denn nun in die Kanne? Auf diese Fragen gibt es keine exakte Antwort. Die Dosierung ist letztlich eine Frage des Geschmacks und hängt auch von der Teesorte ab. Als Basiswert geht man von 8 bis 12 Gramm Tee auf einen Liter Wasser aus. Die Ziehdauer des Tees hängt auch vom Blattgrad ab. Grundsätzlich kann man sagen, dass kleinblättrige Tees wie Broken, Fannings, oder Dusts eine geringere Ziehdauer haben als ganze Teeblätter. Nach dem Aufgießen geben die Teeblätter in den ersten zwei bis drei Minuten anregendes Koffein ab, das oft auch als Tein bezeichnet wird. Als Faustregel lässt sich sagen: Je länger der Tee zieht, desto beruhigender ist der Teegenuss. Je kürzer der Tee zieht, desto belebender wirkt er. Die beruhigenden Gerbstoffe machen den Tee bitter, deshalb sollten Schwarztees nicht länger als fünf Minuten ziehen. Broken Teas werden sehr viel schneller bitter. Für einen anregenden Tee bieten sich drei Minuten Ziehzeit an.

Wie heiß ist zu heiß? Die richtige Trinktemperatur

Die Meinung der Puristen geht hier etwas auseinander, genau genommen um exakt 5°C. Die ideale Trinktemperatur liegt ausgefuchsten Teefans zufolge zwischen 60°C und 65°C. Diese Temperatur erreicht man, wenn man den aufgebrühten Tee eine Minute in der Tasse abkühlen lässt. Dann erst ist die Temperatur ideal, um das gewünschte Aroma auch klar herausschmecken zu können.

Was (nicht) in den Tee gehört: Zucker, Sahne, Milch, Honig oder Rum?

Puristen Trinken pur. Hätte man sich ja auch denken können. Allenfalls ein bisschen Zucker kann den Geschmack noch etwas hervorheben. Alle anderen Zusätze überlagern den eigentlichen Teegeschmack. Dennoch sind geschmacksgebende Zusätze weniger kulinarisches Sakrileg als eine Frage der kulturellen Weltanschauung. Hochpreisige Oolong Tees, zerbrechliche Darjeelings und andere Spitzenprodukte mit Milch aufzugießen ist vor allem Geldverschwendung. Wer den wahren Teegeschmack liebt, verzichtet auf Zusätze. Basta. Kräftige Assams und Cays lassen sich wunderbar mit Milch und Zucker, vorzugsweise Kandis genießen. Und in kalten Wintertagen darf man schwarzen Tee auch mit Rum trinken, wenn es Freude bereitet – die Feinschmecker müssen ja nicht unbedingt davon erfahren.

Omas Vorratsdosen und die richtige Lagerung

Qualitativ hochwertiger Tee wird im Handel in Silberfolie gelagert, Spitzentees kann man meist nicht abgepackt kaufen. Das Haltbarkeitsdatum hat vor allem juristischen Wert, der Geschmack der Teeblätter kann bei unsachgemäßer Lagerung aber unabhängig von diesem schon lange vorher verfliegen. Der Tee ist dann zwar nicht ungenießbar, aber als Spitzenprodukt leider nicht mehr erkennbar. Tee sollte daher auch mit Augen und Nase geprüft werden. Omas alte Blechdose eignet sich durchaus zur Lagerung hochwertiger Tees, vor allem wenn diese ansonsten luftdicht verpackt sind und eine trockene und kühle Lagerung garantiert ist. Ansonsten bieten sich Holzbehälter oder Keramikdosen an. Direkte Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit ist in jedem Fall zu vermeiden.

Wer die Qual hat – Teeauswahl

Während Kräuter-, Früchte- und Roibuschtees in der Auswahl weniger problematisch sind, fällt die Auswahl eines feinen Schwarztees oder Grüntees oft schwer. Die teuersten Teesorten sind nicht immer die geschmacklich besten. Dennoch gilt auch bei Tees die Regel, dass Spitzenprodukte nicht für ein paar Groschen zu erwerben sind. Die teuersten und gleichzeitig geschmacklich interessantesten Tees sind sicherlich Oolong Tees, die erst durch die Bisse winziger Zikaden ihr besonderes Aroma erlangen. Der vermutlich edelste Grüntee dürfte der Ronnefeldt Gyokuro sein, der besondere Schattentee, der sich durch ein sehr würziges Aroma auszeichnet. First Flush Tees, die im Frühjahr von Februar bis April geerntet werden, schmecken meist milder und heller. Second Flush Tees, die Sommerernte, erzeugt kräftige Teesorten. Wer gesteigerten Wert auf Qualität legt, verkostet den Tee bei einem Händler des Vertrauens vor dem Einkauf.

Teezubereitung

Teezubereitung ©iStockphoto/master2

Den Tee zelebrieren – der Kulturfaktor

Tee ist nach Wasser das meistgetrunkene Getränk des Erdballs. Es gibt mindestens so viele verschiedene Wege ihn zu genießen, wie es Teekulturen gibt. Während man in Japan mit der aufwändigen Teezeremonie die Harmonie des Seins und das Leben an sich zelebriert, mag man es auf den ostfriesischen Insel regelmäßig, beschaulich und etwas weniger formstreng. Für den nächsten „Schietwettertag“ könnte das ja genau das richtige Rezept sein: Teepott mit heißem Wasser ausspülen, Wasser drei Finger hoch auf die Blätter geben, nach exakt drei Minuten die Kanne mit dem restlichen Wasser auffüllen. Den Tee, damit er nicht bitter wird, in eine zweite, ebenfalls heiß ausgespülte Kanne abgießen. Dann gibt man „Klüntjes“, ein dickes Stück Kandiszucker, in die Tasse. Darüber wird der frisch aufgebrühte Tee gegossen. Zum Abschluss setzt man darauf ein „Wulkje“ aus Sahne. Der Tee wird schichtweise aus einer dickbauchigen Henkeltasse genossen, erst die kühle Sahneschicht, dann die herbe Friesenmischung und zum Schluss der süße Bodensatz. Nach altem Brauch hat jeder Ostfriese Anrecht auf mindestens drei Tassen Tee am Tag. Aber nicht vergessen: First Flush, Darjeeling und der gute Oolong sind dafür einfach ein bisschen zu schade.