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Oolong Tee

Als sich einst der Besitzer einer Teepflanzung an seinen trocknenden Teeblättern erfreute, sah er sich plötzlich einer züngelnden schwarzen Schlange gegenüber. Heftig erschrak der Mann, ergriff die Flucht… erst Tage später traute er sich zaudernd zu seinen Teeblättern zurück – und staunte andächtig darüber, was in der Zwischenzeit mit ihnen geschehen war: Die Sonne hatte die trockenen Blätter oxidieren lassen, und sie ergaben ein herrlich schmeckendes Getränk.

Durch solche Geschichten können Tees zu ihren Namen kommen. Für den Oolong Tee stand das Furcht einflößende Reptil aus verschiedenen Legenden Pate, denn „Oolong“ bedeutet übersetzt nichts anderes als „Schwarze Schlange“ oder auch „Schwarzer Drache“. Aromatisch und mild im Geschmack ist der Oolong, gilt als hervorragendes Anti-Aging-Getränk und wird überdies als Abspeckwaffe empfohlen.

Klassische Tee-Zeremonie

Da der Oolong Tee ursprünglich aus China kommt, wird er gern für die klassische Chinesische Teezeremonie verwendet: Mehrmalige Aufgüsse hintereinander ergeben jeweils ein ganz eigenes Getränk. Den ersten Tee nennen die Chinesen „Tee des guten Geruchs“, den zweiten „Tee des guten Geschmacks“ und den dritten, den kräftigsten Aufguss „Tee der langen Freundschaft“. Der erste Aufguss zieht allerhöchstens vier Minuten – Kenner beenden den Prozess bereits nach einer Minute. Eine ganz helles, zart blumig duftendes Getränk ist das Ergebnis, daher „Tee des guten Geruchs“. Der nächste Aufguss darf bis zu sieben Minuten ziehen, der dritte bei Bedarf auch länger als eine Viertelstunde. Ein Tipp für Teegenuss am Abend: Wer ungestört einschlafen möchte, trinkt einen Aufguss, der lang genug gezogen hat. Dann ist der Koffein- beziehungsweise Teein-Gehalt im Tee ausreichend reduziert.

Geschmack und Aroma

Oolong Tee – man spricht ihn übrigens „Uhlong-Tee“ aus – ist weder mit Darjeeling-Sorten (blumig und frisch), mit Grüntee (herb bis leicht bitter), Ceylon (würzig bis mild) noch den malzig schmeckenden Assam-Tees vergleichbar. Er besitzt einen ganz eigenen Geschmack: Wer neben Tee auch gern mal einen guten Rotwein trinkt, kennt den Begriff „rund“ oder auch „vollmundig“. So ähnlich kann man sich auch den Geschmack eines guten Oolongs vorstellen. Sein intensives Eigenaroma können beigefügte Orangenschalenstückchen und Orangenblüten noch unterstreichen; diese herrlich sanft den Gaumen umschmeichelnde Sorte heißt „Orange Oolong“ und ist vor allem bei Tee-Einsteigern bekannt und beliebt. Natürlich versteht es sich von selbst, dass – wie bei allen guten Tees – niemals künstliche Aromen zum Einsatz kommen. Unter Genießern und Kennern gelten synthetische Geschmackszusätze sogar als regelrechtes Verbrechen am Tee, so auch am reinen, vollmundigen Oolong.

Oolong Tee

Oolong Tee ©iStockphoto/marekuliasz

Von Pouchon bis Kao Shan Cha: Die Grundtypen des Oolong Tees

Von fruchtig bis herb reicht die Geschmacks- und Aromavielfalt der verschiedenen Oolong-Typen. Kenner unterscheiden die folgenden vier Grundtypen: Pouchon-Oolong, Zhen Cha Ooolopng, den Cha Oolong und den Kao Shan Cha Oolong.

Der Pouchon-Oolong erhält nur einen ganz kurzen Fermentierungsprozess zugesprochen. Ausgeprägt fruchtig ist sein Geschmack, fast süß umschmeichelt er die Geschmacksknospen mit einer leicht bitteren Note. Bis zu einem Drittel dürfen die Teeblätter für den Zhen Cha Oolong fermentieren. Das führt erwartungsgemäß zu einem stärkeren, intensiven Aroma. Die fruchtige Note ist noch ausgeprägter als beim Pouchon.

Der Cha Oolong ist bis zur Hälfte fermentiert. Von Fruchtaroma schmeckt man bei ihm kaum noch etwas heraus. Eher kommt eine rauchige Note zum Vorschein, die zusammen mit intensiver Süße ihren ganz eigenen, aber natürlich auch sehr eigenwilligen Reiz erhält. Man muss ausprobieren, ob einem dieser Tee schmeckt.
Grüngold schimmert schließlich der Kao Shan Cha Oolong in der Tasse, ein fein-herber Hochlandtee mit geringer Fermentierung. Somit hält der Oolong praktisch für jeden Teefreund die passende Geschmacksnote bereit.

Beliebt für Diäten

Dem Oolong-Tee werden abspeckende Eigenschaften zugesprochen, ähnlich wie dem Mate-Tee, der immerhin merklich das Hungergefühl dämpft. Ob einige Tassen Oolong Tee am Tag wirklich messbar schlanker machen, probiert jeder Diätwillige am besten selbst aus. Klar ist, dass dieser Tee sehr viele Saponine enthält. Saponine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zum Beispiel auch in großer Menge in Kartoffeln oder Tomaten vorkommen. „Sapo“ ist Latein und bedeutet „Seife“ – genau wie Seife ist auch ein Saponinmolekül zusammengesetzt: Der eine Teil ist fett-, der andere wasserlöslich.

Saponine erkennt man oft am bitteren Geschmack. Für den vermeintlichen Abspeckeffekt könnten Tierversuche mit Wiederkäuern interessant sein. Ihre Nährstoffaufnahme war messbar beeinträchtigt, was zur Hypothese führte, dass Saponine (ähnlich wie frei verkäufliche „Fettblocker“ aus dem Drogeriemarkt) die Aufnahme des Nahrungsfetts im Darm blockiert. Wie gesagt: Am besten selbst ausprobieren. Schaden können einige Tassen Oolong-Tee am Tag jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Die chinesische Naturmedizin spricht dem Trunk der „schwarzen Schlange“ zahreiche gesundheitsfördernde, gar verjüngende Eigenschaften zu.

Magenfreundlich und antibakteriell

Oolong Tee enthält eine vergleichbar geringe Menge an Gerbsäure. Je weniger Säure, desto bekömmlicher ist der Tee und tut dem Magen wohl. Natürlich sollte man ihn dazu ohne Zucker und Milch genießen – die reine Lehre sozusagen.

Polyphenole stecken ebenfalls im Oolongtee. Was ist das nun wieder? Erneut handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die wie die reinste Medizin wirken sollen: Wissenschaftlich erwiesen sind positive Auswirkungen der Polyphenole auf Entzündungsprozesse im Körper. Zudem können diese speziellen Verbindungen auch in der Krebsvorbeugung ihren Beitrag leisten. Da die Wirkstoffe im Oolong Tee außerdem schädliche Fettablagerungen in den Blutgefäßen verhindern sollen, zählt Oolong zu den Antioxidantien – diese fangen im Organismus die Freien Radikale ab. Alles zusammen verleiht dem Oolong den Ruf, das reinste „Verjüngungsgetränk“ zu sein: Wer auf Anti-Aging-Mittel schwört, kann mit dem Oolong Tee jedenfalls nichts falsch machen, da er gesund ist, gut schmeckt und gleichzeitig erfreulich preiswert ist.

In der Sonne gewelkt und anschließend oxidiert

Die Blätter des Oolong Tees werden in der Sonne so lange zum Trocknen ausgelegt, bis sie welken und sich wellen. Im Anschluss folgt die Lagerungs- und Ruhephase. Der wichtige Oxidationsprozess setzt ein: Durch leichtes Schütteln und vorsichtiges Reiben der Blätter tritt immer wieder ein wenig Saft aus, der mit dem Sauerstoff in Reaktion tritt. Beendet wird der Prozess, indem die Teeblätter in einer Metallpfanne erhitzt werden.

Wichtig bei der Fermentierung von Oolong ist stets: Das Innere des Blattes muss grundsätzlich grün bleiben. Für die Oxidation von Oolong-Tee wird deswegen weniger Zeit angesetzt als für schwarze Teesorten. Er zählt damit zu den „halbfermentierten“ Tees.

Oolong Tee sogar aus Afrika

Echte Kenner favorisieren Oolong Tees aus dem Ursprungsland China sowie aus Taiwan. Einer der anerkannt besten Oolonggärten der Welt befindet sich in Chao´an, Guadong – aus ihm stammt der „Phönix Dan Cong“. Ins Schwärmen geraten Teeliebhaber auch bei dem Namen „Oriental Beauty“ (orientalische Schönheit), einem exquisiten – wenn nicht dem besten – Oolong Tee aus Taiwan. Angebaut wird er in den Gebieten Pinglin, Luku, Miaoli und Xinzhu. Natürlich zahlen Kenner für diese hochklassigen Tees höhere Preise als für die „schlichteren“ Oolong-Sorten.

Seit noch nicht allzu langer Zeit gibt es übrigens auch indische, vietnamesiche, thailändische und sogar kenianische Oolong Tees. Wer also auf den Ooling-Geschmack gekommen ist, kann sich inzwischen beliebig „quer durchs Angebot“ trinken. Denn die Sorten, die nicht traditionell aus China und Taiwan stammen, sind vom Geschmack her teilweise ganz anders. Ausprobieren. Jeder Oolong Tee besitzt indessen den Reiz, dass er mehrmals hintereinander aufgegossen werden kann – ohne dass das Ergebnis nur noch wie gefärbtes Wasser aussieht, nur noch bitter oder eben nach gar nichts schmeckt.