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Geschichte des Tees

„Abwarten und Tee trinken“ ist ein weit verbreitetes Sprichwort, das Menschen, die unter Stress stehen oder nervös sind, zu mehr Besonnenheit verleiten soll. Tatsächlich kann eine bewusst genossene Tasse Tee zu mehr Entspannung verhelfen und Momente der Ruhe und Gemütlichkeit erzeugen. Tee gehört neben Kaffee seit Jahrhunderten wegen seiner anregenden Wirkung zu den beliebtesten Getränken der Menschheit und wird weltweit auf unzählige verschiedene Arten zubereitet und serviert. Leidenschaftliche Teetrinker verstehen ihr Lieblingsgetränk als Inbegriff von Lebenskultur und machen den Genuss von Tee, inspiriert von den Ländern seiner Herkunft, zu einer Zeremonie. Tee erfuhr schon vor Jahrtausenden seine zufällige Entdeckung, um die sich zahlreiche Mythen ranken. Das Geschäft mit diesem kostbaren Gut durchlebte eine turbulente Geschichte und ist sogar für den Ausbruch von Kriegen verantwortlich.

Legenden um die Entdeckung von Tee

Der Ursprung der Verwendung von Tee durch den Menschen liegt in China, wo sich Kaiser Shen Nung der Legende nach um das Jahr 2737 vor Christus auf einer Reise befand. Als er unter einem großen Strauch Rast hielt, kochte er frisches Wasser auf. Durch einen Windstoß fielen einige Blätter herab in den Topf und verliehen dem Wasser eine attraktiv hellgrüne Farbe. Shen Nung probierte das Getränk und fühlte sich durch den schmackhaften Aufguss sogleich erfrischt und angeregt. Eine andere Version dieser Geschichte erzählt, dass der Kaiser sich in seinem Garten aufhielt, die Blätter des Teestrauchs in seine Tasse mit heißem Wasser fielen und er auf diese Weise den Tee entdeckte.

In Indien hingegen erzählt man sich, dass der Königssohn Dharma im sechsten Jahrhundert nach Christus nach China reiste, um die Lehren des Buddhismus zu verbreiten. Er schwor, neun Jahre lang zu meditieren und nicht zu schlafen. Gegen Ende des dritten Jahres wurde Dharma doch schläfrig und ganz in Gedanken verloren pflückte er von einem wilden Teebaum Blätter, die er kaute. Er fühlte sich dadurch belebt und konnte weitere sechs Jahre ohne Probleme wach bleiben.
Eben dieser Dharma liegt auch der japanischen Legende von der Entdeckung des Tees zugrunde. Bodhidarma meditierte jede Nacht in der Nähe einer Felswand, um die Lehren des Buddhismus zu vergeistigen. Eines Nachts überkam ihn eine bleierne Müdigkeit, die ihn so verzweifelte, dass er sich beide Augenlider ausriss und diese wütend von sich warf. Am nächsten Morgen waren aus seinen Lidern zwei Teesträucher gewachsen, deren Blätter er kaute, um weiterhin in den Nächten wach zu sein und meditieren zu können. Noch heute bezeichnet ein japanisches Schriftzeichen sowohl das Wort für Tee als auch für Augenlid.

Die Geburt der Teekultur in Japan und China

Die Kultur des Teetrinkens hat die Menschheit tatsächlich den Bemühungen buddhistischer Mönche zu verdanken, die in China ab dem Jahr 620 begannen, Produktion und Zubereitung allmählich zu perfektionieren. 1492 wurde die erste Teekanne, wie sie in ihrer heutigen Form benutzt wird erfunden. Schon im Jahr 780 gab LuYe, der als Adoptivkind bei Mönchen aufgewachsen war, mit „Cha Ching“, was übersetzt etwa „Das klassische Buch vom Tee“ bedeutet, die erste literarische Abhandlung über Tee heraus. In zehn Kapiteln werden in diesem Buch Kultur der Pflanzen beschrieben, wichtige Anbaugebiete genannt sowie Herstellung und Zubereitung des Tees genau erläutert.

Um circa 800 begannen die buddhistischen Mönche Saicho und Kukai, Teepflanzen auch in Japan zu kultivieren. Der Zen-Priester Eisai betrieb den Anbau im 12. Jahrhundert bereits im großen Stil. Die Plantagen, die er damals bei Uji anlegte, existieren noch heute. Das erste Teehaus in Japan eröffnete im Jahr 1564. Die Wände des Lokals waren mit den genauen Regeln der Teezeremonie beschriftet.

Tee

Tee ©iStockphoto/ Shaiith

Tee kommt in Europa an

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Getränk allmählich in Europa bekannt und beliebt, als die Niederländische Ostindien-Kompanie, die zu dieser Zeit die Monopolstellung des Teehandels innehatte, Grüntee aus Japan und Schwarztee aus China einführte. In Preußen endeten die Bestrebungen des Kaisers Friedrich II., den Konsum von Tee zu verbieten, erfolglos. In England wurde Tee um 1644 eingeführt und avancierte schnell zum neuen begehrten Luxusgut. Der erste Coffeeshop in London begann 1657, Tee auszuschenken. Nach und nach öffneten in England zahlreiche Teehäuser, in denen anfangs nur Intellektuelle und Schöngeister verkehrten. 1717 eröffnete Thomas Twining in London sein erstes Teegeschäft und legte damit den Grundstein für eines der bedeutendsten Prestigeunternehmen Großbritanniens, dessen Markenname Twinings auch heute noch als Inbegriff für englische Teekultur gilt. Er war es auch, der das Getränk in England beliebt machte, wo bis dahin fast ausschließlich Kaffee, Gin und Ale getrunken wurden. Nach etwa vier Jahrzehnten der Dominanz Hollands erwarb die britische East India Company im Jahr 1669 das Monopol für den Handel und behielt dieses bis 1833. In Europa setzte sich Mitte des 17. Jahrhunderts die vom chinesischen Wort „Tai“ abgeleitete Bezeichnung „Tee“ durch. Der damals erhältliche Tee war größtenteils von minderwertiger Qualität, da das lange Lagern in den Frachträumen der Schiffe, die bis zu neun Monate unterwegs waren, den Geschmack negativ beeinträchtigte. Der durch die Karawanen über die Seidenstraße von China nach Russland transportierte „Chai“ erwies sich als wesentlich aromatischer und war deshalb noch kostbarer.

Der turbulente Teehandel der Briten

Auch in den USA war Tee ein begehrtes Handelsgut, was die Briten zu ihrem Vorteil zu nützen versuchten, indem sie die Steuern so stark anhoben, dass in den Vereinigten Staaten Revolten ausbrachen. Am 16. Dezember 1773 warfen im Hafen von Boston als Indianer verkleidete Mitglieder einer Freimaurerloge aus Protest gegen die Gewinnsucht der Briten insgesamt 342 Kisten Tee von den Schiffen der East India Company ins Hafenbecken. Dieser Widerstandsakt ging als „Boston Tea Party“ in die Geschichte ein und zog eine Reihe weiterer Eskalationen nach sich, die zum Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs führten.
Tee war auch noch im 19. Jahrhundert ein ausgesprochenes Luxusgut, das in Silbermünzen bezahlt wurde. Durch die Silberverknappung begannen die Engländer damit, Tee gegen Opium einzutauschen, was allmählich zu einem erheblichen Drogenproblem in China führte. Ein Einfuhrverbot von Opium, das die chinesische Regierung verhängte, resultierte im sogenannten „Opiumkrieg“, der von 1839 bis 1842 dauerte. Er endete damit, dass Hongkong an Großbritannien fiel und die Chinesen gezwungen wurden, den Opiumhandel zu dulden.

Um selbst Tee produzieren zu können, schleusten die Briten den Botaniker Robert Fortun 1848 in China ein, der innerhalb von drei Jahren 20 000 Teepflanzen-Stecklinge erwarb, herausfand, dass grüner Tee von der selben Pflanze stammt wie schwarzer und sich das Wissen um die Fermentierung aneignete. Fortun überredete einige chinesische Teebauern, ihn nach Indien zu begleiten und dort mit ihrem Wissen beim Anlegen neuer Plantagen zu unterstützen. So konnte ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den britischen Kolonien in Ceylon, Indien und Afrika Schwarztee produziert werden, der in Europa wesentlich beliebter war als Grüntee.

Moderne Teeproduktion

Der Teebeutel ist heute die einfachste und beliebteste Art, Tee zuzubereiten. Er wurde im Jahr 1908 eher zufällig erfunden, als der New Yorker Teehändler Thomas Sullivan nach einer Möglichkeit suchte, seinen Kunden Kostproben nicht in schweren Blechdosen versenden zu müssen. So begann er, kleine Mengen an Tee in Seidensäckchen zu verpacken. Die Kunden nahmen an, dass dies von Sullivan so vorgesehen war und tauchten die Beutel ins heiße Wasser, um so ihren Tee zuzubereiten.

Wenige Jahre später gerieten Teebeutel in Verruf, minderwertige Ware zu enthalten, da einige Händler billige Zusatzstoffe einmengten. Im ersten Weltkrieg lieferte die deutsche Firma Teekanne Teebeutel an die Soldaten an der Front. Durch die Mullverpackung, die den Geschmack des Aufgusses negativ beeinflusste, erhielten diese Beutel den Spitznamen „Teebombe“. Seit den Fünfzigerjahren stieg neben der Produktion von hochwertigem Schwarz- und Grüntee allmählich auch die Nachfrage nach Früchte- und Kräuterteemischungen, die in praktischen Beuteln verpackt wurden.

Heute sind moderne Produktionsmaschinen der Firma Twinings in der Lage, in einer Minute bis zu 2000 Beutel mit Tee zu befüllen. In der im Jahr 2011 eröffneten Twinings-Fabrik in Polen werden in der Woche zwischen 45 und 75 Millionen Teebeutel hergestellt. Die weltweit bedeutendsten Teeproduzenten sind heute China, Indien, Kenia, Sri Lanka und die Türkei. Jährlich werden etwa 4,5 Millionen Tonnen Tee geerntet und davon rund 1,8 Millionen Tonnen exportiert. Der Teekonsum der Weltbevölkerung wird mit durchschnittlich 0,3 Kilogramm Tee pro Einwohner berechnet. Obwohl vor allem England, Indien, China und Japan als die Teekultur-Nationen schlechthin bekannt sind, verzeichnen überraschenderweise Paraguay, Uruguay, Argentinien, Kuwait und Irland den weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Tee.

Tee als Gegenstand der medizinischen Forschung

In den Neunzigerjahren erfuhr grüner Tee im Zuge des zunehmenden Interesses an asiatischer Küche und Kultur einen Popularitätsboom. In China wird das Getränk schon seit Jahrtausenden als Naturmedizin zur Heilung und Prävention vieler Krankheiten eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt, die belegten, dass grüner Tee durch seinen hohen Gehalt an Antioxidantien eine äußerst positive Wirkung auf die Gesundheit haben kann. Sogenannte Flavonoide schützen nachweislich vor vielen Krebsarten, senken Blutdruck und Diabetes-Risiko, wirken gegen Karies und Zahnfleischerkrankungen und verbessern bei gleichzeitigem Konsum die Wirkung der Therapie mit bestimmten Antibiotika. In den letzten Jahren liegt der Fokus der wissenschaftlichen Teeforschung jedoch wieder vermehrt bei Schwarztee, der entgegen seines Rufes ebenso gesundheitsfördernd sein soll wie Grüntee.

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