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Mate Tee

In den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg avancierte Mate in Europa zum Kultgetränk großstädtischer Avantgarde und ländlicher Aussteigergruppen. In der Nachkriegszeit außerhalb seiner südamerikanischen Ursprungsheimat fast in Vergessenheit geraten, hat das aromatische Getränk inzwischen weltweit immer mehr begeisterte Anhänger gefunden.

Mate – Ein Tee, der kein Tee ist

Trotz seiner üblichen Verwendung als Aufgussgetränk und trotz der lautsprachlichen Nähe zum Tee hat Mate im botanischen Sinn nichts mit der zur Ordnung der Heidekrautartigen (Ericales) gehörenden Tee-Pflanze (Camellia sinensis) zu tun. Mate ist sowohl die Bezeichnung für den Mate-Strauch beziehungsweise -Baum (Ilex paraguariensis), vor allem aber für das aus den Blättern dieser Pflanze gewonnene Getränk sowie ferner für das Gefäß, aus dem dieses Getränk getrunken wird. Die zur Ordnung der Stechpalmenartigen (Aquifoliales) gehörende Mate-Pflanze wächst vor allem im Paraná-Becken-Dschungel im Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay. Die Mate-Pflanze ist immergrün und kann Baumhöhen von 15 bis 25 m erreichen. Die ovalen, maximal 20 cm langen Blätter haben einen gekerbten Rand. Neben wildwachsenden Mate-Bäumen wird die Pflanze auch zunehmend in Plantagen kultiviert. Keimlinge brauchen etwa vier Jahre, um Bäume mit erntefähigen Blätter getrieben zu haben. Ein Mate-Baum kann über 100 Jahre alt werden.

Aufgussgetränk mit langer Tradition und vielen Namen

Die Blätter werden entweder jährlich, manchmal auch nur alle zwei Jahre, zwischen Mai und September mitsamt der Ästchen vom Baum geerntet. Es gibt zwei Weiterverarbeitungsarten. Die Mate-Blätter werden bei der einen Weiterverarbeitungsmethode über einen Zeitraum von etwa vier Wochen bei einer Temperatur von ungefähr 55°C fermentiert. Um den Wassergehalt zu reduzieren, wird der fermentierte Mate eine Minute lang auf 400°C hocherhitzt. Die danach getrockneten und entweder unterschiedlich grob oder fein zerkleinerten beziehungsweise gemahlenen Mate-Blätter werden „Taragin“ genannt. Taragin ist in Deutschland als „Grüner Mate“ bekannt.

Bei der anderen Herstellungsart werden die Mate-Blätter, mitunter mit den Ästchen, in Drahttrommeln geröstet. Dadurch wird die Fermentation gestoppt und es entwickeln sich charakteristische Rauch-Aromen. Der so hergestellte Mate trägt die Bezeichnung „Mate Real“. In Argentinien, Paraguay und Uruguay werden eher Mate-Sorten bevorzugt, bei denen die Blätter relativ grob zerkleinert sind. Im Gegensatz zu dieser, „Yerba“ („Kraut“) genannten, Mate-Variante, bevorzugen Brasilianer sehr fein gemahlenen Mate („Evra“).

Der Oberbegriff „Mate“ bezog sich ursprünglich auf die traditionell aus Flaschenkürbissen hergestellten Stielbecher („Kalebassen“), aus denen das Getränk auch heute noch häufig getrunken wird. „Mati“ bedeutet in der indigenen Sprache Quechua „Trinkgefäß“. Bei Gauchos, den südamerikanischen Cowboys, sind auch „Guampa“ genannte Mate-Trinkhörner in Gebrauch.

Mate-Tee

Mate-Tee ©iStockphoto/wime

Wahrscheinlich geht die Mate-Herstellung auf das im mittleren Südamerika beheimatete Indianer-Volk der Guarani, die die Pflanze „Caiguá“ nennen, zurück. Bereits 1567 hatten Guarani Kontakt mit den spanischen Konquistadoren, die in Folge Mate auch in Europa bekannt machten. Allerdings hielt sich das Interesse in der Alten Welt an der amerikanischen Pflanze bis in die neueste Zeit in Grenzen. Lediglich auf den Kanarischen Inseln sowie später auch im libanesisch-syrischen Raum konnte sich das amerikanische Getränk dauerhaft in der Volkskultur etablieren. Dagegen gehört Mate bei vielen Millionen von Brasilianern, Bolivianern, Argentiniern, Paraguayern, Chilenen und Uruguayern zum alltäglichen Genuss. Heute werden alljährlich etwa 300.000 Tonnen Mate geerntet (zum Vergleich: Die Weltjahresernte von Tee beträgt etwa vier Millionen Tonnen). Etwa 80% der Mate-Ernte wird in Argentinien eingebracht.

Geschmack und Zubereitung

Der erdig-rauchig, aber auch süß-säuerlich schmeckende Mate, wird in Argentinien gern mit Pfefferminz, Zimt und anderen Aroma-Trägern angereichert. Viele Puristen lehnen diese Varianten ebenso wie am Markt gehandelte Mate-Instant-Angebote entschieden ab. Dennoch haben sich auch Mate-Milch-Mischgetränke durchgesetzt, eiskalter Mate mit Zitrus-Saft („Tereré“) hat ebenso zahlreiche Anhänger gefunden wie Rum-Mate-Punsch. In Europa sind auch Mate-Bier-Mischgetränke beliebt.

Der mit heißem Wasser in einer Kalebasse oder einem anderen Gefäß übergossene Mate wird nach alter Art mit Hilfe eines Trinkhalms („Bombilla“), an dessen unterer Öffnung ein als Sieb fungierendes kleines Netz befestigt ist, getrunken. Vorher wird das Trinkgefäß zur Hälfte mit Mate-Blättern oder –Pulver aufgefüllt und geschüttelt, damit etwaige gröbere Bestandteile in Bodennähe abgelagert werden. Es folgt eine leichte Anfeuchtung und die Matemasse wird vorsichtig so eingedrückt, dass ein etwa die Hälfte des Gefäßes abdeckender Hohlraum entsteht, in den die Bombilla schräg eingestellt wird. Erwärmtes Wasser wird nun behutsam so an der Bombilla eingegossen, dass die Mate-Blätter nicht aufgewirbelt werden. Je nach Geschmack und Region ist das Wasser fast brühend heiß oder lediglich mäßig warm. So wird Mate an der Küste eher weniger heiß getrunken. Hier wird ungesüßter Mate favorisiert, während im Binnenland lieber sehr heiß und süß genossen wird. Als Süßungsmittel wird häufig Stevia verwendet. Ist die Kalebasse leer, kann mehrmals wieder aufgegossen werden. Mate ist sehr ergiebig. Natürlich kann Mate auch wie ein Tee in einem Sieb oder einem Beutel zubereitet werden.

Trinkrituale, Inhaltsstoffe und therapeutische Wirkungen

Üblicherweise wird der gelbgrüne Mate-Aufguss in seinen Ursprungsländern aus einer einzigen Kalebasse von mehreren Personen im Familien-, Freundes- oder Kollegenkreis getrunken. Hat der Gastgeber den ersten, in der Regel sehr bitteren und deshalb eher unbeliebten, Aufguss getrunken, gibt er die wieder aufgefüllte Kalebasse an den nächsten Mate-Trinker weiter. Ist die Kalebassse geleert, kommt der Nächste dran.

Mate weist über 250 Inhaltsstoffe auf. Der Koffeingehalt erreicht mit etwa 1,5 % lediglich die Hälfe der durchschnittlich für Kaffee oder Tee anzusetzenden Koffein-Mengen. Daneben finden sich Gerbstoffe in oft erheblichen Anteilen ferner Theobromin und Theophyllin sowie Vitamine (A, B1, B2, C) im Mate. Dem in Deutschland als Arzneimittel anerkannten Mate werden unter anderem harntreibende und nervenanregende Wirkungen zugeschrieben, wenngleich es auch Stimmen gibt, die aus gesundheitlichen Gründen vor einem Übermaß an Mate-Genuss warnen. Besondere Aufmerksamkeit genießt Mate wegen seiner mutmaßlich hungerstillenden Effekte. Ein Glas Mate vor der Mahlzeit soll das Hungergefühl dämpfen. Als Folge kommt es zur Verringerung der Nahrungsaufnahme und damit schließlich zur Reduzierung des Körpergewichts.

Auch äußerlich wird Mate eingesetzt: Die Volksmedizin schreibt dem gerbstoffreichen Mate bei bestimmten Hautauschlägen heilunterstützende Wirkungen zu.

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