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Tee aus Cornwall

Tee wird unweigerlich mit England verbunden. Jeden Nachmittag findet auf der Insel in unzähligen Haushalten und Büros dieses Ritual statt. Insgesamt werden täglich zwischen 15 Uhr und 17 Uhr 165 Millionen Tassen genossen. Da ist es kein Wunder, dass Tee so britisch ist wie die Queen oder Fish and Chips. Bisher wurde er dort jedoch nicht angebaut, was sich mit der Teeplantage auf dem Landgut Tregothnan in Cornwall geändert hat.

Die erste Teeplantage in England

Es läge nahe, dass die Teepflanze aus England kommt, aber dem ist nicht so. Es ist nur rund 350 Jahre her, dass holländische Seefahrer sie aus China mitbrachten und den Engländern vorstellten. Im fernen Asien wird die Pflanze bereits seit über 4.000 kultiviert und auch Indien und Sri Lanka gehören zu den traditionellen Anbaugebieten von Tee. In England sind erste Versuche zum Anbau von Teepflanzen im Zweiten Weltkrieg gestartet worden, aber schnell ist dieses Vorhaben aufgegeben worden. Die kleinen Beutel aus Übersee waren einfach zu günstig. Seit 1999 widmet sich das Landgut Tregothnan in Cornwall der Züchtung von Teepflanzen. Damit ist es das erste eigentliche und einzige Anbaugebiet dieser Pflanze auf englischem Boden.

Begünstigt von einem milden Golfstromklima

Die Teeplantage in Cornwall befindet sich in der Umgebung von Truro. Die Region hat ein Klima, das dank des Golfstroms verhältnismäßig mild ist. Temperaturen unter 0 °C werden nur selten verzeichnet und die Landschaft ist geprägt von Primeln, Narzissen, Kamelien und Azaleen. Sie wachsen auf einem sauren Boden, der sich zu sanften Hügeln formt. Die Bedingungen für den Anbau der Teepflanze sind daher gut. Es ist erstaunlich, dass niemand vor 1999 den Versuch gestartet hat.

Das Anbaugebiet gehört zu dem Familienbesitz der Boscawens, die bereits seit Anfang des 14. Jahrhunderts in dieser Region leben. Zu den Ländereien zählt ein Schloss, in dem die Boscawens leben. In der Familienhistorie ist eine unmittelbare Verbindung zum Thema Tee zu finden: Zu den Vorfahren gehört der berühmte britische Premierminister Earl Grey, nach dem eine Teesorte benannt worden ist. Sie zeichnet sich durch ein feines Aroma aus Bergamotte-Orange aus und ist auf der gesamten Welt bekannt. Die Familie Boscawens zählt heute zu den reichsten Personen im Vereinigten Königreich. Ganze 80 km² nennt sie in Cornwall ihr Eigen.

Die Liebe zu den Pflanzen führte zur Teeplantage

Das Schloss der Familie Boscawen ist berühmt für einen anmutigen Garten, der sagenumwobene 40 ha misst. Er ist damit der größte botanische Garten innerhalb Englands. Der einstige Gartenbeauftragte und heutige kaufmännische Direktor von Tregothnan Jonathan Jones reiste um die Welt, um nach prachtvollen Pflanzen zu suchen. Bei einem Blick auf Teeplantagen in Japan erinnerte sich Jones, dass die Teepflanze Camellia sinensis zu den Kamelien gehört. Dies brachte ihn auf den Gedanken, diese Pflanze selbst anzubauen. Im Jahr 1999 war es dann soweit: Er ließ drei Reihen der Teepflanze im Küchengarten einbuddeln. Es dauerte weitere sechs Jahre, bis die ersten Blätter geerntet und probiert werden konnten. Das Ergebnis war phänomenal und so wurde die Teepflanze auf größeren Flächen angebaut.

Tee aus Cornwall

Tee aus Cornwall @iStockphoto/Alexandra Thieltges

Klein aber fein

Tee wird in Cornwall nur auf einer Fläche von einem halben Quadratkilometer kultiviert, was im weltweiten Vergleich sehr klein ist. Circa zehn Tonnen des Krautes werden pro Jahr geerntet, was viel erscheint, aber für die weltweite Produktion ebenfalls wenig ist. Die geringe Produktionsmenge und die edle Herkunft lassen den Preis für diesen originalen Tee allerdings nach oben schnellen. Ein Gramm des unverschnittenen Krautes kostet 1,25 Pfund. Der Preis für eine 25 Gramm Dose des schwarzen Tees wird in Deutschland zwischen 4,7 Euro und 6,7 Euro veräußert. Es ist daher nicht erstaunlich, dass ein Tässchen davon in den Londoner Luxushotels Claridges und Savoy serviert wird. Ebenfalls über den Onlinehandel lässt sich das edle Teekraut bestellen.

Die angebotenen Teesorten aus Cornwall

Klassischer Tee: Teeblätter aus Tregothnan und Assam-Tee sind miteinander vermengt, wodurch ein kräftiger, malziger Geschmack erzeugt wird. Er dient als Frühstückstee wegen seiner aktivierenden Wirkung.

Nachmittagstee: Ein exotischer Mix aus englischem Tee und Darjeeling, der hervorragend für einen klassischen Cornish Cream Tea geeignet ist.

Earl Grey: Der Tee enthält Bergamotte-Öl und gehört zu den elegantesten Teevariationen.
Grüner Tee: Ein erfrischender Tee, der mit dem Kraut aus Cornwall und dem chinesischen Grünen Tee verschnitten wird.

Neben schwarzem und grünem Tee kommt aus Cornwall auch Kräutertee. Dazu zählen folgende Sorten: Kamille, Pfefferminze, Zitronenstrauch, Sonnenhut, Eukalyptus, Fenchel, Brennnessel und Myrte.

Wenn einmal im Jahr die Teeernte stattfindet, ist ein gesamtes kleines Dorf damit beschäftigt. Im Anschluss werden die Blätter auf Tischen mit Doppelnetzen in einer großen, roten Scheune ausgelegt, damit sie oxidieren und trocknen. Wie lange der Trockenprozess dauert, hängt von der Teesorte ab. Im Anschluss werden sie gerollt und später in die Teebeutelmaschine gegeben. Sobald die Erntezeit begonnen hat, duften die Räumlichkeiten nach feinstem Tee.

Die Zukunft des englischen Tees

Die Familie Boscawen hat mit ihrem Teeanbau noch viel vor. Es geht nicht primär um das Geld, sondern vielmehr um Prestige, Stolz und Liebe zur Botanik. Honourable Boscawen gab in einem Interview zu verstehen, dass er seinen Tee „in einer zeitgemäßen Form“ veräußern möchte. Er nimmt dabei Bezug auf die US-amerikanischen Ketten, die Kaffee in unterschiedlichsten Kreationen zu Höchstpreisen verkaufen. Es wird daher angestrebt, eine Franchisekette für Teehäuser aufzumachen, die alles andere als altbacken ist. Stylishe Bars sollen in den bedeutenden Metropolen wie Berlin, New York oder London eröffnet werden. Die Chinesen haben sich bereits für das klassische Teeritual in Cornwall interessiert und investigiert. Sie waren fasziniert von dem typischen Cornish Cream Tea. Zum schwarzen Tee werden Milch und Zucker gegeben. Als Nascherei werden Scones mit Himbeergelee und buttriger Sahne gereicht.

Zudem orientiert sich Boscawen an den ganz Großen, wenn es um Tee geht. Es wird eine Partnerschaft mit dem Bergdistrikt Darjeeling im Gebirge Himalaja angestrebt. Diese Region im Norden Indiens baut den Champagner unter den Teesorten an und ist weltweit für deren Spitzenqualität bekannt. Dies begründet sich nicht nur in den klimatischen Bedingungen, sondern ebenfalls in den hohen Ansprüchen beim Anbau und bei den Qualitätskontrollen. Bei den Teebüschen in Cornwall hat Boscawen ein Himalaya-Tal kreiert. Es besteht aus zwei Teichen im Talgrund, dunkelgrünen Nadelbäumen, Rhododendrengewächsen und einem Pavillon mit Pagodendach.