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Teezeremonie in Ostfriesland

Die Ostfriesen sind ein freundliches Volk, auch wenn die landläufige Meinung anders ist. Er wird oft als unfreundlich, wortkarg und langweilig beschrieben, ist aber weder das eine, noch das andere. Im Gegenteil, Ostfriesen sind an Gesprächen sehr interessiert und haben für jede Art von Geselligkeit ein offenes Ohr.

Ostfriesland ohne Tee ist undenkbar und für den Einheimischen ist dieses Getränk mehr als nur ein „Durstlöscher“. Die Teezeremonie gehört einfach dazu, sie ist praktisch ein fester Bestandteil im Leben. Die Leute unterbrechen den Alltag und geben sich ihrer „Teepause“ voll und ganz hin. Tee hat in dieser Region eine lange Tradition, schon früh kamen die Ostfriesen auf den Geschmack.

Die Teezeremonie!

Doch wie sieht diese Zeremonie aus? Wenn Sie als Besucher die Tasse bis zum Rand vollmachen, weil Sie Durst haben und wenn Sie mehrere Stücke Zucker zugeben, sind Sie bei den Einheimischen schon untendurch. Zwar werden Sie niemals eines Besseren belehrt, der Ostfriese wird Ihr Verhalten nicht tadeln. Doch zum Tee wird er Sie nicht mehr bitten, eine weitere Einladung ist so gut wie ausgeschlossen.

Schauen Sie lieber zu, wie der Ostfriese seine Teezeremonie abhält, Sie können nur dazulernen. Tee wird hier nicht getrunken, um den Durst zu löschen, sondern vielmehr um dem Alltag zu entfliehen und eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Etwas üben müssen Sie den Umgang mit den „Kluntjezangen“, die jedes Mädchen ist Ostfriesland zu ihrer Aussteuer zählen wird. Meist sind diese Zangen viel zu klein, um die großen „Kluntjebrocken“ unbeschadet in der Teetasse zu versenken, aber mit einiger Übung ist bekanntlich nichts unmöglich. Erst wenn alle Tassen mit Zucker befüllt sind, wird der Tee eingegossen. Dabei ist wichtig, dass der Tee 5 Minuten gezogen sein muss und dass er natürlich frisch angerichtet wurde.

Durch das Knacken des Kandis wird angezeigt, dass das Getränk heiß genug ist. Die Tasse darf nicht voll befüllt werden, sondern der „Kluntje“ muss noch ein Stück aus dem köstlichen „Braun“ herausragen. Dann wird der ostfriesische Teekenner die Sahne hinzufügen, mit dem Sahne-Löffel wird die „Milch“ behutsam um diesen „Gipfel“ gelegt. Die Sahne-Wolke breitet sich zum Tassenrand hin aus und versinkt. Das ist ein sehr würdevoller Moment, alle Ostfriesen halten inne und beobachten das Geschehen in der Teetasse. Auch Sie können Ihren Kopf freimachen und alle Alltags-Probleme für einen Moment lang vergessen.

Rühren Sie den Tee um Himmels willen nicht um, auch wenn ein kleiner Löffel parat liegt. Der echte Teekenner genießt das königlich Getränk weder geschüttelt noch gerührt, der echte Genuss ist sanft und bitter und unheimlich süß. Diese Prozedur dürfen Sie dreimal wiederholen und mit dem unberührten Teelöffel zeigen Sie an, dass keine weitere Tasse mehr gewünscht wird.

Der Ostfriese wünscht eine ganz bestimmte Mischung

Der Ostfriesentee ist eine Schwarztee-Mischung, die natürlich nach ganz bestimmten Regeln angerichtet wird. Verschiedene Schwarztee-Sorten werden zusammengemischt, hierzu gibt es extra Tee-Mischer, die mit einem feinen Geschmack und einem erlesenen Geruchssinn ausgestattet sind. Für die Mischungen wird hauptsächlich Assam-Tee verwendet, doch auch Ceylon-, Java- und Darjeelingtee kommt zum Einsatz. Im Ostfriesentee finden Sie 10 bis 20 Teesorten, die einen ganz besonderen Geschmack ergeben. Ostfriesentee ist eher herb, zeichnet sich aber durch einen aromatisch-kräftigen Geschmack aus. Dieser Tee hat eine kupferbraune Farbe, die etwas ins Rötliche geht. Ostfriesentee ist unverkennbar, es ist ein Genuss für sich.

Teezeremonie in Ostfriesland

Teezeremonie in Ostfriesland ©iStockphoto/sharambrosia

Natürlich wird der Tee auch Besucher begeistern, die Teezeremonie wird auch Gästen nicht vorenthalten. Hier ist der Tee zu Hause und bietet ausreichend Platz für gute Gespräche und ein Zusammenkommen für die Familie und den Gästen. Hauptteezeit ist nachmittags, so gegen 15 Uhr. Aber eigentlich wird immer Tee getrunken, der Ostfriese kennt praktisch gar nichts anderes. Auf seinen 11 Uhr Tee wird er ganz bestimmt nicht verzichten und in den meisten Fällen wird auch abends zwischen 20 und 21 Uhr Tee serviert. Natürlich kann immer eine Kanne Tee gekocht werden, gerade für Besucher steht eine Tasse Tee bereit. Die Ostfriesen leben ganz nach dem Spruch: Ostfriesische Gemütlichkeit hält immer ein Tässchen Tee bereit. Ein echter Ostfriesentee schmeckt hervorragend und Sie sollten sich diesen Genus keinesfalls entgehen lassen. Machen Sie also diese kleine Zeremonie mit, die Ostfriesen legen Wert darauf.

Es wird ganz bestimmt ein gemütlicher Nachmittag oder Abend und das Geschmackserlebnis werden Sie noch lange auf der Zunge spüren. Für den Einheimischen sind drei Tassen Tee quasi Pflicht, doch auch Sie sollten sich an diese Regel halten. Das fällt Ihnen bestimmt nicht schwer, denn erstens sind die Tassen sehr klein und der Geschmack ist nicht zu beschreiben. Genießen Sie die ganz besondere Atmosphäre, Tee-Zeit wird in Ostfriesland groß geschrieben.

In Ostfriesland wird unheimlich viel Tee getrunken, laut Statistik trinken die Einheimischen sogar 10 mal mehr Tee, als Deutsche in anderen Regionen. Sie rangieren auf Platz 1 der Weltrangliste, die Ostfriesen nehmen ca. 300 Liter pro Kopf und Jahr zu sich.

Die Zubereitung des Ostfriesentees

In der Kanne sollte keine anderer Tee zubereitet worden sein und schon gar kein Kaffee. Die Aromen würden den Geschmack des Ostfriesentees sonst verfälschen. Spülen Sie die Kanne vorher mit heißem Wasser aus, die Teekanne sollte vor der Zubereitung vorgewärmt werden. Jetzt können Sie den Ostfriesentee lose in die Kanne geben, pro Tasse einen Teelöffel und einen Teelöffel für die Kanne. Danach wird die Kanne mit heißem, nicht ganz kochenden Wasser aufgefüllt, aber bitte nur so viel, dass der Tee bedeckt ist. Nun muss der Tee ziehen, nach ca. vier Minuten ist er fertig. Jetzt erst kann die Teekanne ganz mit Wasser befüllt werden. Der Ostfriesentee wird nicht abgegossen, er verbleibt in der Teekanne. Damit aber die Teeblätter nicht in die Tasse gelangen, empfiehlt sich ein Tee-Ei oder oder ein Tee-Besen. Auch ein Sieb kann sehr hilfreich sein, hier wird das Sieb direkt über die Tassen gehalten und der Tee eingegossen.

Früher wurde in Ostfriesland Rahm in den Tee gegeben, aber die Sahne hat sich durchgesetzt. Heute gibt man nur noch Sahne in den Tee, die Industrialisierung hat durchgegriffen. Aber der Tee schmeckt auch mit Sahne gut, es ist ein besonderes Getränk, das Sie sich nicht entgehen lassen dürfen. Auch heute noch bietet der Ostfriese jedem Besucher eine Tasse Tee an, dabei ist es egal, ob der Gast nur für kurze Zeit bleibt oder ob er mehrere Tage verweilt. Es ist eine alte Tradition, die bis heute praktiziert wird. Bei den Ostfriesen ist ein Gast immer willkommen, er wird mit einer Tasse Tee begrüßt und dieses Getränk begleitet ihn während seines ganzen Aufenthaltes.

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