Skip to main content

Die japanische Teezeremonie

Die japanische Teezeromonie geht auf die japanische Teekunst (Chanoyu; Wasser für den Tee) zurück und ist seit mehr als 1.000 Jahren ein integraler Bestandteil der japanischen Kultur. Die Teezeromonie ist eng mit dem Zen-Buddhismus verknüpft und wird als reinigendes, gesellschaftliches Ritual verstanden. Es geht im Grunde nicht um den Tee an sich – wenngleich dieser meist von sehr hoher Qualität ist -, sondern um das Vollziehen eines festen Rituals. Entscheidender als der Tee oder die Teilnehmer des Rituals, ist somit das gesamte Setting: Es gibt ein wiederkehrendes Muster, das zu meistern erst erlernt werden muss.

Grundsätzliches zur japanischen Teezeremonie

Bis zu fünf Gäste kennt das traditionelle Ritual. Dabei ist eine weitere Person der Zeremonienleiter, dessen Aufgabe darin besteht, die Gäste auf den Weg des Tees (Chadō) zu geleiten. Am Ende der Teezeremonie soll aus dem „gewöhnlichen“ Menschen Chaijin (Chai bedeutet Tee; Jin bedeutet Mensch) werden. Hierfür ist es laut der Zeremonie unerlässlich, dass die einzelnen Schritte des Rituals (zum Ablauf gleich mehr) geordnet und korrekt ausgeführt werden. Eine japanische Teezeremonie ist alles andere als willkürlich und ein fröhlicher Umtrunk. Allerdings gibt es verschiedene Varianten. Im Folgenden soll daher vor allem die allgemeinste Form behandelt werden sowie auf die wichtigen, symbolträchtigen Handlungen eingegangen werden.

Die japanische Teezeremonie hat in einem hierfür genutzten, kleinen Pavillon oder mindestens in einem Séparée stattzufinden. Im Idealfall handelt es sich um einen kleinen Pavillon in einem Garten, welcher über einen Weg aus Steinplatten erreicht werden kann. Häufigst findet sich eine Wasserstelle nahe des Ausführungsortes der japanischen Teezeremonie.

Die japanische Teezeremonie

Die japanische Teezeremonie ©iStockphoto/oluolu3

Im Raum befindet sich eine im Boden eingelassene Feuerstelle, welche zum Erhitzen des Teewassers genutzt wird. Diese Aufgabe obliegt – wie auch alle weiteren Aufgaben – dem Zeremonienmeister, der die Gäste an den Tee heranführt und das Ritual begleitet.

Von allergrößter Wichtigkeit sind saubere Utensilien. Der eigentlichen Teezemonie – im Sinne des gemeinschaftlichen Teetrinkens – geht daher eine Reinigung aller verwendeten Materialien voraus.

Ablauf eines Teerituals und Bedeutung der einzelnen Schritte

Die Gäste werden geladen. Je nach Form und Tradition, gibt es eventuell Vorbesuche oder den Austausch von bestimmten Höflichkeiten. Zumeist werden die Gäste vorerst in einer Warteposition verharren – oftmals im Garten. Die Nähe des Pavillons und der Pavillon selbst werden über einen Steinfpad betreten, der niemals gerade verlaufen darf. Dieses Wandeln über einen Pfad (zu einem Ziel hin) steht sinnbildlich für das Verlassen des Alltages und das Betreten einer spirituelleren Sphäre. Der Leiter der Zeremonie wird schließlich wortlos im Pavillon oder Nebenraum (bei Teeritualen im häuslichen Umfeld oder in Gaststätten) verschwinden und schließlich mit fünf Schlägen auf den Gong die Gäste einladen, einzutreten.

Bevor die Gäste eintreten, waschen sie sich an einem Wasserbecken Mund und Hände. Das Reinigen von Mund und Händen geht über ein Hygieneritual hinaus. Es geht um die symbolische Reinigung von allen schlechten Taten und Worten, sodass sich die Teilnehmer untereinander rein begegnen können und auch die gesamte Reinheit des Rituals erleben können.

Die Gäste setzen sich nun in den vorgesehenen Raum, wobei sie sich in einer Schneidersitzhaltung oder auf den Knien setzen. Dies hat symbolischen Charakter (gesellschaftliche Unterschiede sollen durch die gleiche Höhe aller Anwesenden eingeebnet werden), hat aber auch praktische Bewandtnis: Denn Pavillons oder Räume für die japanische Teezeremonie sind in aller Regel sehr klein geschnitten. Häufig sind die Türen kaum höher als einen Meter. Die Räumlichkeiten sind indes immer sehr einfach gehalten. Gleichzeitig werden durch die erniedrigte Haltung Demut und Respekt gezeigt – vor dem Ritual, vor dem Gastgeber und vor der spirituellen Kraft. Die Schuhe verbleiben – wie in Japan insgesamt üblich – außerhalb des Raumes.

Keinesfalls wird etwa über die Arbeit (finanzielle Unterschiede, Machtpositionen etc.), über Probleme im Sozialleben oder gar über die eigenen Fähigkeiten gesprochen. Zumeist wird geschwiegen oder niederschwellig über die Einrichtung des Pavillons oder den Aufbau des Garten philosophiert. Es haben sich in der japanischen Kultur diverse Standardfloskeln etabliert, welche in nahezu allen Fällen aus Lob bestehen.

Der Tee wird zubereitet. Zumeist handelt es sich um Matcha-Tee, dessen belebende Wirkung und traditioneller Geschmack sinnbildlich für die japanische Kultur stehen. Ist dieser zubereitet, wird die Schale an den ersten Gast gereicht. Bei diesem handelt sich häufig um den Ehrengast oder auch um den Ältesten im Raum. Dieser wird nun die Schale in den Händen wenden, sie dem Gast neben sich anbieten (dieser lehnt immer ab) und schließlich circa drei Schlucke nehmen. Die Schale wird anschließend mit einem sauberen Tuch gereinigt und weitergereicht. Dies wiederholt sich, bis alle Gäste vom Tee getrunken haben. Zuweilen wird die Schale auch vor jedem Trinken neu gefüllt.

Währenddessen wird eine als angenehm empfundene Unterhaltung geführt. Meistens geht es um Kultur, die Künste im Allgemeinen oder auch um ganz klassisch um den gereichten Tee. In früheren Zeiten war in der Regel eine Geisha anwesend, die es aufgrund ihrer kulturellen Bildung verstand, die Gäste zu unterhalten. Heute ist dies immer seltener der Fall.

Die meisten Teezeremonien nach alter Tradition dauern mehrere Stunden. Schließlich wird selten nur ein Tee gereicht (meist sind es mindestens zwei) und im Rahmen gesellschaftlicher Anlässe und Verpflichtungen spielen auch leichte Speisen eine Rolle. Die eigentliche Teezeremonie ist allerdings das Rückgrat des gesamten Konzeptes.

Die benötigten Gegenstände (Teeschale, Sieb, Wasserbehälter, Teelöffel etc.) sind dabei so angeordnet, dass der Zeremonienmeister diese mit sparsamen, eleganten Bewegungen nutzen kann. Nur er bereitet den Tee für die Gäste zu und er bestimmt somit indirekt über das Tempo der japanischen Teezeremonie.

Dabei ist das Ziel, dass die Anwesenden aufgrund dieser festen Rituale dem Alltag entfliehen können und sich besinnen – auf sich selbst, auf den Tee und auf die Menschen um sie herum, die mit ihnen dieses Ritual vollziehen. Für Streitgespräche, politische Diskussionen oder belastende Themen ist kein Platz. Die Atmosphäre soll würdevoll, ruhig und entspannend sein. Die Bedeutung der Teezeremonie wird von den Menschen unterschiedlich wahrgenommen, jedoch ist allen Wertschätzungen gemein, dass das bewusste Erleben im Vordergrund steht. Durch die räumliche Abkopplung von der Außenwelt (im Pavillon oder Séparée) entsteht eine geschützte Atmosphäre. Gerade in Japan, wo gesellschaftliche Unterschiede und entsprechende Verhaltensmuster großen Einfluss auf das Verhalten und die Sprache der Menschen haben, wirkt diese Einebnung aller Unterschiede besonders stark.

Wakeiseijaku – die vier Grundwerte des Chadō und was sie für den Alltag bedeuten können

Wakeiseijaku setzt sich zusammen aus: Wa (Harmonie), Kei (Hochachtung bzw. Respekt), Sei (Reinheit, Ordnung des Herzens) und Jaku (Stille). Diese vier Werte sind die Essenz der Teezeremonie und somit wird auch deutlich, worum es geht: Nämlich um das Erleben dieser vier Eigenschaften in einem Ritual. Dass es sich um Tee handelt, ist der Kultur und Tradition geschuldet. Jedoch ist eindeutig, dass der Tee keineswegs im Vordergrund steht.

Vielmehr soll die Harmonie durch die schlichte, geregelte und saubere Atmosphäre erzeugt werden. Harmonie ist im Japanischen ein Zustand, der durch innere und äußere Einflüsse erzeugt wird. Innerlich muss der Mensch sich dazu bereit erklären, sich einer Situation zu übergeben. Äußerlich muss das Setting stimmen, um den Menschen aufzunehmen. Erreicht wird dies über die Räumlichkeit und die Anleitung des Meisters. Die Gäste vertrauen ihm und übergeben sich dem Ritual.

Der Respekt steht weit oben. Er soll vor dem Ritual empfunden werden, vor den Utensilien, vor den anderen Menschen und vor allem auch zwischen Gastgeber und Gast. Dabei ist dies eine zweiseitige Geschichte: Der Gastgeber hat seine Gäste so zu respektieren wie der Gast den Gastgeber. Es gibt hier keine Hierarchien im eigentlichen Sinne. Die Achtung vor allen Dingen (Schale, Tee etc.) ist besonders wichtig. Jeder Handgriff wird bewusst und achtsam durchgeführt. Jeder Schluck wird achtsam geschmeckt und selbst die spärliche Inneneinrichtung des Raumes (meist einfacher Blumenschmuck, eine Schriftrolle, einfache Fenster usw.) erfährt Beachtung. Es gibt nichts „Wertvolles“ oder „Unnützes“ bei einer Teezeremonie.

Die Reinheit ist ebenfalls zweiteilig und setzt sich aus äußerer Reinheit und innerer Reinheit zusammen. Die äußere Reinheit wird durch das Waschen erreicht. Außerdem sind die Utensilien stets sehr rein, wobei der Zeremonienleiter während des Waschens auch symbolisch sein Herz reinigt. Die innere Reinheit wird durch das das Erleben der Teeweges und das Besinnen auf sich selbst und die anderen erreicht.

Das Resultat ist die Stille. Sie ist nicht als bloße Geräuschlosigkeit zu verstehen, sondern als der Zustand der innereren und äußeren Entspannung. Die Stille ist eine Konsequenz der inneren Einkehr und Ruhe. Wird die die innere Einkehr aller Teilnehmenden gemeinschaftlich erlebt, so ist die Stille erreicht. Werden nun also diese Grundwerte betrachtet, wird schnell klar, dass jeder von der japanischen Teezeremonie lernen kann. Dabei beginnt es immer mit Achtung (vor sich, anderen und dem Material) und Sauberkeit. Der Tee wird bewusst zubereitet, er wird bewusst getrunken, es werden bewusst Menschen geladen, die daran teilnehmen sollen.

All dies ist auch ohne Pavillon und auch ohne Matcha-Tee oder gar traditionelle Kleidung durchführbar. Was vom Teeweg zu lernen ist, ist vor allem die Bereitschaft, sich einer einzigen Sache voll und ganz zu widmen. Es gibt bei der Teezeremonie nichts außer der Zeremonie an sich. Der Wert des Chadō besteht im Achten eines jeden einzelnen Schrittes. Allein diese Achtsamkeit zu erlernen, kann im Alltag hilfreich sein – zur Entspannung und zur inneren Einkehr. Es darf gern bei der bewussten, ruhigen Zubereitung einer Tasse Tee allein, mit dem Partner oder mit dem Mitbewohner geübt werden. Alles beginnt mit der Auswahl der richtigen Utensilien und endet mit dem Genuss eines Tees in ruhiger Atmosphäre – ohne Smartphone, Fernseher oder Radio. Das innere Befinden eines jeden Menschen ist dankbar für diese Momente der Einkehr.

Top Artikel in Teezubereitung