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Java Tee

Java Tee ist zwar manchem Teekenner ein Begriff, trotzdem handelt es sich dabei um eine relativ unbekannte Teesorte. Viele Teeliebhaber trinken Java Tee, ohne es zu wissen, denn er ist in vielen vollmundigen Schwarztee-Mischungen, vorrangig in der Kombination mit Assam und Ceylon enthalten. Java Tee ist eine Kostbarkeit, die aus dem Inselstaat Indonesien stammt und ausschließlich auf dessen Hauptinsel Java angebaut und meist von Hand gepflückt wird. Auf Java gedeihen die Teepflanzen auf riesigen Plantagen in fruchtbaren vulkanischen Böden und optimalen klimatischen Bedingungen. Seine immer gleich bleibende Qualität macht den Tee zu einer hervorragenden Basis-Zutat für verschiedene Blends. In gut sortierten Tee-Fachgeschäften ist Java Tee auch als pure Sorte erhältlich und sollte wegen seines facettenreichen Aromas und seiner hellen Farbe auf jeden Fall verkostet werden. Dass Java heute diesen einzigartigen Schwarztee produziert, hat die Insel den unermüdlichen Bestrebungen der Holländer zu verdanken, die Teepflanzen in Indonesien heimisch machten.

Ein beschwerlicher Weg zur Tee-Kultur

Indonesien wurde nicht wie viele andere tropische Länder durch die Briten zu einem bedeutenden Produzenten von Tee, sondern durch die Kolonialherrschaft der Niederländer. Im Jahr 1644 gründete das Königreich Niederlande als Konkurrenz zur britischen „East India Company“ die „Vereinigte Ostindien Companie“ und nahm den Handel mit Tee auf, der über Indonesien nach Europa gelangte. Aus der Handelsstadt Batawie, dem heutigen Jakarta, wurde Tee im 17. Jahrhundert aus „Niederländisch Indien“ nach Rotterdam und Amsterdam verschifft. Damit blickt Indonesien auf eine ebenso lange Geschichte des Teehandels zurück wie Indien. Die Holländer konnten jedoch mit dem Umfang der Teemengen nicht konkurrieren, die die Briten von China und später Indien aus in die ganze Welt transportierten und verkauften. Die ersten Versuche der Niederländer um das Jahr 1728, in Indonesien Teepflanzen aus China und Japan aus Samen zu ziehen, bleiben erfolglos. Der holländische Arzt, Botaniker und Kaufmann Dr. Andreas Cleyer brachte Tee-Stecklinge aus Japan mit und kultivierte sie in Indonesien zunächst als Zierpflanzen. Die Bestrebungen der niederländischen Kolonialherren und Händler, die sich in den Städten Indonesiens niederließen und ihre neue Heimat so ansprechend wie möglich gestalten wollten, führten dazu, dass mit der Zucht von unterschiedlichen Pflanzen, und so auch mit Teebäumen experimentiert wurde, um prächtige Gärten und Parklandschaften anzulegen. Anfang des 18. Jahrhunderts gelang es schließlich, Teepflanzen aus Kreuzungen zwischen chinesischen Sorten und Assam zu züchten, die das feuchte und heiße Klima in Indonesien gut vertrugen.

Die Familie Kerkhoven, die später zur bedeutendsten niederländischen Teepflanzer-Dynastie aufstieg, hatte auf Java schon Zuckerrohr, Tabak, Gewürze und Kaffee in großem Stil angebaut, bevor sie im Jahr 1878 damit begann, auch Plantagen für die neuen Assam-Hybriden anzulegen. Neben Kerkhoven waren auch andere holländische Botaniker an dem Erfolg des Tee-Anbaus in Indonesien maßgeblich beteiligt. Noch heute tragen Teesorten aus dieser Gegend die klingenden Namen der niederländischen Tee-Pioniere Kerkhoven, Adriaan, Bosche oder Holle. Vor etwa hundert Jahren begannen die Holländer mit dem Anbau von Teepflanzen im großen Stil auf den Plantagen des Preangan-Hochlandes auf Java und legten damit den Grundstein für den Teeanbau auf der Insel.

Von der Assam-Hybride zum Weltmarkt

Der Zweite Weltkrieg, die Eroberung durch die japanische Armee und schließlich die Unabhängigkeit des Inselstaates im Jahr 1945 hinterließen in Indonesien ein politisches Chaos, das die Tee-Produktion des Staates in den darauffolgenden Jahrzehnten beinahe zum Erliegen brachte. 1984 begann die indonesische Regierung mit dem Aufbauprogramm „Teaboard of Indonesia“, den Export über Java wieder anzukurbeln. Heute sind die Tee-Plantagen Indonesiens zu fast gleichen Teilen in privater und staatlicher Hand. Während grüner und weißer Tee sowie Oolong-Tee sowohl für den Export als auch für den eigenen Konsum angebaut werden, ist der kostbare und qualitativ hochwertige Tee aus dem Hochland Javas, vor allem um Bogar, Bandung und im Priangan-Gebirge fast ausschließlich für den Export bestimmt. Das Aroma des Java Tees, das stark an den Geschmack feiner Ceylon-Sorten erinnert, ist vor allem in Europa sehr beliebt. Mit fast 130 000 Tonnen geerntetem Tee, die ungefähr zwölf Prozent der Welternte ausmachen, ist Indonesien heute die Nummer sechs unter den führenden Teeproduzenten der Welt.

Java Tee

Java Tee ©iStockphoto/ErikdeGraaf

Die Teekultur der Indonesier

Durch die lange Geschichte der politischen Dominanz der Niederlande hat sich in Indonesien keine eigenständige nationale Teekultur entwickelt. Tee war mehrere Jahrhunderte lang ausschließlich eine Kolonialware, die für Europa produziert wurde. Die Menschen in Indonesien dienten den Teebaronen lediglich als billige Arbeitskräfte. Heute ist die Teekultur der Indonesier so vielfältig wie die verschiedenen Gebiete des Inselstaates. Während die Menschen in Medan, der Hauptstadt der Provinz Sumatra hauptsächlich nach indischem Vorbild Schwarztee mit Milch und Gewürzmischungen zubereiten, werden in anderen Großstädten Indonesiens grüner Tee, Jasmintee, Oolong-Tee und Pu-erh-Tee gemäß der chinesischen Tradition getrunken. In den Teehäusern auf Java hingegen werden süße und starke Aufgüsse zubereitet und in handgetöpferten Kannen und Tassen aus Ton serviert. Im Bergland der westlichen Regionen Javas trinken die Menschen ihren Schwarztee gerne nach englischem Vorbild mit Milch.

Auch wenn die Kultur des Teetrinkens in Indonesien keinen unverwechselbaren und markanten Charakter aufweist, so ist jedoch der Tee, der in unterschiedlichen Regionen Indonesiens wie Java oder Sumatra hergestellt wird, von ausgezeichneter und weltberühmter Qualität und vor allem in Europa ein begehrtes und geschätztes Produkt.

Aus der Vulkanerde Javas – Der Java Tee

Java Tee stammt, wie der Name schon verrät, von der Hauptinsel Indonesiens, des größten Inselstaates der Welt, dessen Jahreszeiten und klimatische Bedingungen vom Tropenwind Monsun beeinflusst werden. Durch den Monsun und das tropische Klima bleibt die Temperatur in Indonesien das ganze Jahr über annähernd gleich, was eine ununterbrochene Ernte der Teepflanzen und eine konstante Qualität und Menge des Tees möglich macht, der in die ganze Welt exportiert wird. Zwar wird in vielen Regionen Indonesiens Tee angebaut, von besonderer Qualität präsentiert sich jedoch der Java Tee, der in etwa 600 bis 1000 Meter Seehöhe im Hochland der Insel gedeiht. Die Mischung aus Wald- und Lehmböden mit einem sehr hohen Humusanteil, das Vulkangestein und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit schaffen ideale Bedingungen für die Kultur von Teepflanzen. Viele der berühmten Teeplantagen Javas liegen in direkter Nachbarschaft von immer noch aktiven Vulkanen, deren Lava und Asche für überdurchschnittlich fruchtbare Bodenbeschaffenheit sorgen. Dadurch sind die Teepflanzen, die in Java gedeihen, für ihren besonders üppigen Wuchs bekannt.

Java Tee beschreibt eine spezielle Sorte von schwarzem Tee, der durch seine einzigartige Qualität vorrangig als Zutat für Teemischungen wie beispielsweise Ostfriesentee verwendet wird, deren Basis er bildet. Da nur die jungen Blätter der Teepflanze gepflückt werden, die wesentlich weniger Zellsaft enthalten als die ausgewachsenen, entsteht unter Verwendung von Java Tee ein für schwarzen Tee ungewöhnlich heller, honiggelber bis zart orangefarbener Aufguss.
Das Getränk besticht darüber hinaus durch einen hocharomatischen und vollmundigen Geschmack, der der kräftigen Würze eines hochqualitativen Ceylon Tees sehr ähnlich ist. Java Tee eignet sich frisch zubereitet als wunderbar wärmendes Getränk für die kalte Jahreszeit. Abgekühlt und mit einigen Zitronenscheiben garniert ergibt Java Tee eine herrlich kühlende Erfrischung für heiße Sommertage. Um in den Genuss des vollen Aromas dieser Sorte zu kommen, sollten etwa zwölf Gramm Blätter mit einem Liter kochendem Wasser übergossen werden und nicht länger als drei oder vier Minuten ziehen. Um Beeinträchtigungen des Geschmacks zu verhindern, wird der Gebrauch von weichem Wasser und neutralen Aufguss-Gefäßen wie beispielsweise Kannen aus Glas oder weißem Porzellan empfohlen. Durch seine trotz des geringen Teein-Gehaltes stark anregende Wirkung eignet sich Java Tee vor allem für den Genuss am Morgen und Vormittag und kann eine Tasse Kaffee wunderbar ersetzen.

Legendär: Der Flowery Orange Pekoe aus Java

Die qualitativ besten und edelsten Sorten von Java Tee werden vorrangig während der Trockenzeit im August, September und Oktober von Hand gepflückt. Nur die jungen, jedoch voll ausgereiften Blätter werden für die Herstellung von Java Tee verwendet. Die unter der Bezeichnung „trockene Java Tees“ geführten Sorten sind die edelsten und kostbarsten, die der Inselstaat Indonesien hervorbringt. Vor allem der auf Javas berühmter Malabar-Plantage kultivierte Flowery Orange Pekoe, der nach altbewährten Methoden produziert wird, zeichnet sich durch einen hell goldgelben und stark duftenden Aufguss und seinen frischen und gleichzeitig hocharomatischen Geschmack aus.

Java Tee und die Gesundheit

Wie jeder schwarze Tee hat auch Java Tee, wenn er in Maßen getrunken wird, unzählige positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Er schützt nachweislich vor der Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen und lindert Magen-Darm-Beschwerden ebenso wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Java Tee stärkt die Abwehrkräfte und reduziert dadurch die Anfälligkeit des Organismus für Infektionen. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass der regelmäßige Konsum von schwarzem Tee auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Mit den unter der verwirrenden Bezeichnung „Javatee“ erhältlichen Diätpillen und Nahrungsergänzungsmitteln hat die edle Teesorte jedoch nur die Herkunft der Pflanze gemeinsam. Sowohl der auf Java produzierte Tee als auch die Heilpflanze Orthosiphon, die auch als „Katzenbart“ oder „Indischer Nierentee“ bekannt ist, tragen, da sie auf Indonesiens Hauptinsel beheimatet sind, den gleichen Namen.