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Weißer Tee

Weißer Tee

Weißer Tee wird, wie grüner und schwarzer Tee, aus der Camellia sinensis, die zur Gattung der Kamelien und zur Familie der Teestrauchgewächse gehört, gewonnen. Den Weißen Tee kennzeichnet jedoch die besondere Auswahl der Teeblätter. Für die höchste Qualitätsstufe finden ausschließlich die jungen, noch ungeöffneten Blattknospen der Teepflanze Verwendung. Zarte Härchen überziehen diese Knospen, die nach nur zweiprozentiger Fermentation als weißer Flaum erscheinen und so dem Weißen Tee seinen Namen gaben.

Der charakteristische milde Geschmack dieses speziellen, äußerst kostbaren Tees basiert auf der schonenden Anfermentation, die sich in einem Prozess natürlicher Licht- und Lufttrocknung vollzieht.

Anbaugebiete von weißem Tee

Ursprünlich stammt der Weiße Tee aus den Bergregionen der chinesischen Provinz Fujian, das auch heute noch zu den führenden Anbaugebieten zählt. Seit über dreitausend Jahren baut das Volk der Dai dort Tee an. Lange Zeit war der Genuss allein dem Kaiser von China und höchsten Würdenträgern des Reichs der Mitte gestattet. Er galt als wesentlicher Bestandteil eines sagenhaften Elixiers, das Unsterblichkeit verleihen sollte. Die sogenannte Kaiserliche Pflückung der zarten Blattknospen war auf zwei Tage im Jahr begrenzt.

Mittlerweile wird Weißer Tee in beinahe allen Teeanbaugebieten der Welt hergestellt. Man findet ihn unter anderem in Darjeeling, Assam, auf Sri Lanka, in Malawi und Kenia. Die Herkunft bestimmt auch den geschmacklichen Charakter des Tees: Je nach Ort und Pflückzeit kann Weißer Tee eine leicht herbe, blumige oder dezent rauchige Note aufweisen.

Weiße Tee Sorten

Am weitesten verbreitet ist der Pai Mu Tan (Weiße Pfingstrose), ein großblättriger Weißtee aus China. Hier finden nicht nur Blattknospen, sondern auch junge Teeblätter Verwendung.

Die höchste Qualitätsstufe bietet der Yin Zhen (Silbernadel), der nur aus ausgesucht schönen Blattknospen hergestellt wird. Traditionell wird der Yin Zhen in kleinen Plantagen in den Bergen Fujians kultiviert. Die Erntezeit entspricht den Vorgaben der Kaiserlichen Pflückung und ist streng auf zwei Tage im März begrenzt: In den frühen Morgenstunden, gegen fünf Uhr, beginnen die Teepflückerinnen, während der Morgentau noch auf den Knospen liegt, mit ihrer Arbeit. Anschließend werden die frisch gepflückten Blattknospen in der Morgensonne ausgebreitet und, wie vor hunderten von Jahren, einige Stunden ohne jeden technischen Einsatz getrocknet. In der regionalen Begrenzung, der geringen Menge und dem speziellen Herstellungsverfahren liegt die Einzigartigkeit des Yin Zhen.

Weißer Tee

Weißer Tee ©iStockphoto/Maridav

Daneben finden sich einfachere Weißteesorten, wie der Da Bai, Gong Mei, Shou Mei oder der White Oothu, einer der ersten Weißtees aus Südindien, sowie der Ceylon Silver Tips aus Sri Lanka. Aus Japan stammt der mehrfach preisgekrönte Shira Cha. Die Teesorten unterscheiden sich in Bezug auf Blattgröße, Blattfärbung sowie Farbe und Geschmack des Aufgusses minimal, doch deutlich voneinander.

Erwähnt sei auch ein spezieller Weißer Pu Erh Tee, der ausschließlich in der chinesischen Provinz Yunnan angebaut und produziert wird. Der Aufguss hat eine dunkle Färbung und ist im Geschmack sehr süß. Weißer Tee zählt zu den wertvollsten Teesorten der Welt.

Herstellung von weißem Tee

Vorzeiten war es nur Jungfrauen gestattet, den Weißen Tee aus Fujian zu ernten. Nach der Trocknung war eine Berührung der zarten Teeknospen solange nicht erlaubt, bis sie vor den Augen des Kaisers von China in einer besonderen Zeremonie aufgegossen wurden. Die Reinheit des Tees sollte damit gewahrt bleiben.
Die Kostbarkeit des Weißen Tees resultiert aus seiner besonders sorgfältigen Ernte und dem aufwändigen, aus dem 14. Jahrhundert stammenden, Herstellungsverfahren: Die noch ungeöffneten Blattknospen der Teepflanze werden im Frühling per Hand in den frühen Morgenstunden gepflückt. Für den Yin Zhen werden zudem nur die zartesten Triebe verwandt. Allein für ein Kilogramm Rohmaterial benötigt man etwa 30.000 junge Knospen.
In einem speziellen Verfahren wird nun der Prozess der Anfermentation durch eine knapp dreistündige Lüftung der frisch gesammelten Blattknospen eingeleitet. Anschließend wird das Material bis zu vierzehn Stunden bei einer Luftfeuchtigkeit von rund sechzig Prozent und circa fünfundzwanzig Grad in Körben oder auf Dörrmatten zum Welken gebracht. Die Trocknungsprozesse erfolgen bei knapp einhundertdreißig Grad. Der kostbare, schonend getrocknete Tee wird sortiert und verpackt.

Der durch Handarbeit dominierte vielschichtige Prozess der Auswahl des ohnehin raren, qualitativ sehr hochwertigen Teematerials erklärt den vergleichsweise hohen Preis, der bei 40 Euro pro 100 Gramm liegen kann.

Wirkung von weißem Tee

Schon jahrhundertelang nutzten die Dai den Weißen Tee als Medizin und Genussmittel. Ihm wurde eine lebensverlängernde, verjüngende Wirkung nachgesagt. In vielen Legenden und Mythen Chinas wird diese beschworen.

Weißer Tee enthält in hoher Konzentration Polyphenole, Antioxidantien, Methylxanthine, Thiamin und Epigallokatechin-3-gallat, die das körpereigene Immunsystem stärken und gesundheitsfördernd wirken.

Traditionell wird Weißer Tee gegen zu hohen Blutdruck eingesetzt. Das Infarktrisiko kann bei regelmäßiger Anwendung nachweisbar gesenkt werden.

Der Koffein- bzw. Teeingehalt liegt mit 6 Milligramm je 100 Milliliter deutlich unter dem in Schwarz- und Grüntees gemessenen Wert von 25 Milligramm, da die jung geernteten Blattknospen des Weißen Tees nur einen geringen Teeingehalt entwickeln können. Weißer Tee regt daher an, putscht jedoch nicht auf und ist so auch bei empfindlichem Magen verträglich. Die sanfte Anregung des zentralen Nervensystems wirkt Migräne sowie Kopfschmerzen entgegen und fördert die Konzentration. In Zeiten besonderer familiärer und beruflicher Anforderungen verhilft Weißer Tee zu Kraft und Ausgeglichenheit. Auf Grund seines geringen Koffeingehaltes kann Weißer Tee auch während der Schwangerschaft getrunken werden. Ein bis zwei Tassen sind der Gesundheit der werdenden Mutter und des Ungeborenen durchaus förderlich. Auf eine kurze Ziehzeit sollte bei der Zubereitung jedoch geachtet werden.

In Weißem Tee finden sich auch viele mineralische Inhaltsstoffe, wie Eisen, Fluorid, Zink, Kalium, Natrium und Calcium. Die in Weißem Tee nachgewiesene hohe Fluoridkonzentration prädestiniert ihn zu einem Mittel natürlicher Kariesprophylaxe. Fluor schützt die Zähne, indem es einer Demineralisierung vorbeugt, den Zahnschmelz stabilisiert und somit den Widerstand der Zähne gegen Säure verbessert. Fluorid beugt zudem auch Osteoporose vor. Der hohe Anteil an Vitamin B 1 stärkt das Nervemnsystem und wirkt stimmungsaufhellend: Depressionen, Kopfschmerzen und Blutarmut kann somit entgegengewirkt werden.

Der Anteil an Catechinen, natürlichen Gerbstoffen, im Weißen Tee ist außergewöhnlich hoch. Weißer Tee enthält im Vergleich zum Grüntee drei bis vier Mal mehr Catechine. Diese senken das Krebsrisiko und wirken zudem antibakteriell. Zwölf Gläser Orangensaft, in einem Zuge getrunken, entsprechen in etwa der antioxidativen Wirkungskraft einer einzigen Tasse Weißen Tees. Insbesondere das Catechin Epigallocatechingallat (EGCG)ist entscheidend an der Bindung freier Radikale beteiligt. Freie Radikale bewirken Zellschädigungen im Körper und sind somit für Krebserkrankungen, Alterserscheinungen wie Alzheimer, Parkinson und Demenz sowie für Arteriosklerose und chronische Entzündungen im zentralen Nervensystem verantwortlich. Medizinische Forschungen haben ergeben, dass Catechine das Risiko einer Erkrankung immens senken.

Polyphenole wirken direkt auf körpereigene Zellen und normalisieren insbesondere den Fettstoffwechsel, so dass Weißer Tee auch bei einer Diät unterstützend eingesetzt werden kann. Gleichzeitig hilft er bei der Absenkung zu hoher Cholesterinwerte.

Weißer Tee macht schön: Flavonoide straffen die Haut und bewirken so eine natürliche Verjüngung. Daher wird Weißtee zunehmend auch in Europa im kosmetischen Bereich genutzt. Regelmäßige Anwendung führt zu gesunder und feinporiger Haut, die auch ein Zeichen allgemeinen Wohlbefindens ist.

Weißer Tee hat insgesamt eine stärkende, krankheitsvorbeugende und auch heilende Wirkung.
Auf Grund seiner vielen positiven und präventiven Eigenschaften sollte er nicht nur Genussmittel, sondern auch Bestandteil einer gesunden Ernährung sein.

Zubereitung von weißem Tee

Eine sorgfältige Zubereitung ist für den Geschmack ausschlaggebend. Grundsätzlich sollte das Wasser weich, also kalkfrei, und frisch sein. Die Wasserqualität bestimmt den Geschmack des Getränks zu zwei Dritteln. Gegebenenfalls ist das aus der Leitung stammende Wasser zu filtern oder es empfiehlt sich, Stilles Mineral- bzw. Quellwasser zu kaufen.

Man rechnet in etwa mit 2 Gramm, einem Teelöffel, pro Tasse und nimmt circa 8 bis 11 Gramm Tee pro Liter. Die Teekanne oder auch Tasse wird mit heißem Wasser vorgewärmt. Das sprudelnd aufgekochte Wasser sollte vor dem Aufgießen auf 75 Grad abkühlen, um die Wirkstoffe des Weißen Tees nicht zu zerstören.
Die Ziehzeit richtet sich nach der Sorte des Weißtees und dem gewünschtem Geschmack und beträgt zwischen 1 und 5 Minuten im unbedeckten Gefäß.
Mehrfache Aufgüsse der Teeknospen mit etwas längerer Ziehzeit werden empfohlen. Diese variieren im Geschmack.

Das Geheimnis des Weißen Tees, dessen Genuss jahrhundertelang nur wenigen Auserwählten vorbehalten war, zu erschließen, ist nicht nicht nur ein geschmackliches Erlebnis, sondern fördert und stabilisiert geistige wie körperliche Gesundheit.