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Ceylon Tee

Ceylon Tee ist nach dem alten Namen des Inselstaates Sri Lanka benannt, wo dieser Tee kultiviert und verarbeitet wird. Er gilt als der Inbegriff der britischen Teekultur und dient für fast alle aus England stammenden Teemischungen als Grundzutat. Sein unverwechselbares Aroma und seine intensive Farbe machen ihn zu einer der beliebtesten Teesorten auf der ganzen Welt. Auch viele Menschen, die das Land, aus dem er kommt nicht kennen, haben diesen belebenden Tee schon getrunken. Ceylon Tee hat allgemein den Ruf, eine der ältesten und bekanntesten Sorten unter den Schwarztees zu sein. Tatsächlich ist die Teeproduktion Sri Lankas verglichen mit anderen Ländern jedoch relativ jung und entstand nur aus einer Notlage heraus. Trotzdem hat Ceylon Tee in der Geschichte des Tees einen wichtigen Stellenwert eingenommen, führte er doch zur Gründung des weltberühmten Teeimperiums Lipton und verhalf dem Land seiner Herkunft, sich zu einem der weltweit führenden Teeproduzenten zu entwickeln.

Der Inselstaat Ceylon – Vom Kaffee zum Teeanbau

Ceylon, wie Sri Lanka bis zum Jahr 1972 hieß, galt als Kolonie Großbritanniens lange Zeit als die „Kaffee-Insel“ und das wichtigste Land für die Produktion der heißbegehrten Bohnen. Riesige Monokulturen auf der Insel prägten die Landschaft des damals als Ceylon bekannten Landes. Im Jahr 1867 musste fast die gesamte Kaffee-Produktion in Ceylon eingestellt werden, da die Rostpilzseuche die Kaffeepflanzen zur Gänze vernichtete. Um den Verlust auszugleichen, suchten die Kolonialherren und Bauern nach neuen Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung. Dem Pioniergeist des britischen Teepflanzers James Taylor ist es zu verdanken, dass in Ceylon aus einer Notlage heraus die Teeproduktion begann und diese sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer bedeutenden und höchst lukrativen Einnahmequelle für die Kolonialmacht des Vereinten Britischen Königreichs entwickelte.

Der im Jahr 1835 im schottischen Kincardineshire in ärmliche Verhältnisse hineingeborene James Taylor kam 1852 nach Ceylon und ließ sich dort auf dem Anwesen von Loolecondera nieder. Im Jahr 1866 unternahm er von Ceylon aus eine Reise nach Indien, wo er die Grundkenntnisse über das Anlegen von Teeplantagen sowie die Kultur und Verarbeitung von Teepflanzen erwarb. Als er im Jahr 1867 in seine neue Heimat Ceylon zurückkehrte, begann er sogleich damit, auf dem Landstrich um Loolecondera 77 000 Quadratmeter Wald zu roden und Teesamen auf dem heute als „Field No. 7“ bekannten Gebiet anzupflanzen. 1972 ließ er auf dem Anwesen, auf dem er lebte, eine Fabrik bauen, die für die Weiterverarbeitung und Verpackung der Teeblätter voll ausgestattet war. Auch eine eigens von James Taylor erfundene und entwickelte Maschine, mit der die Teeblätter auf effiziente Art gerollt werden konnten, wurde in seiner modernen Fabrik betrieben. Bereits 1875 wurde die erste große Ladung Ceylon Tee von Taylors Plantagen nach London verschifft. In der Zeit, in der der Teepionier in Loolecondera lebte, stieg der Export von Tee von anfänglichen 23 Pfund auf 81 Tonnen im Jahr. Im Jahr 1890 waren von der Insel bereits 22 900 Tonnen Ceylon Tee nach Europa verschifft worden.

Lipton entdeckt Tee aus Ceylon

Um das Jahr 1890 setzte auch der aus Schottland stammende Millionär Thomas Lipton, der sein erfolgreiches Unternehmen mit einer Kette von Lebensmittelläden aufgebaut hatte, Fuß auf die Insel. Um neue und interessante Produkte für seine Läden zu finden, war Thomas Lipton regelmäßig auf Weltreise und machte im Jahr 1890 auf dem Weg nach Australien Zwischenstop auf Ceylon. Dort traf er kurz nach seiner Ankunft auf James Taylor, und die beiden Männer schmiedeten gemeinsame Pläne für Teeproduktion und Handel im großen Stil. Thomas Lipton baute mit James Taylors Hilfe die Teemarke Lipton auf und legte seine eigenen Plantagen auf Sri Lanka an. Tee von Lipton wurde bald beworben, aus dem „Teegarten direkt in die Teekanne“ geliefert zu werden. Thomas Lipton wurde im Jahr 1898 von Königin Victoria zum Ritter geschlagen und häufte mit dem Export und Verkauf von Tee ein sagenhaftes Vermögen an. Seit 1971 gehört die britische Markt zu dem Konzernriesen Unilever und produziert Schwarz- Grün-, Früchte- und Eistee für den Massenmarkt. Obwohl eigentlich eine britische Traditionsmarke, verkauft Lipton in Großbritannien nur Früchte- und Eistee. Der Schwarztee von Lipton stammt immer noch zu einem Großteil aus Sri Lanka, aber auch aus China, Indien und Kenia.

Ceylon Tee

Ceylon Tee @iStockphoto/Bartosz Hadyniak

James Taylors Schicksal stand jedoch in krassem Gegensatz zu Thomas Liptons Erfolg. Da die Teeproduktion in Ceylon in wenigen Jahrzehnten so stark zunahm, wurden die kleinen Teebauern, und mit ihnen auch James Taylor bald durch die Großbetriebe verdrängt. 1891 musste Taylor sowohl das Anwesen und die Plantage auf Loolecondera verlassen, als auch seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Betriebs, den er mühsam aufgebaut hatte aufgeben. Der Pionier des Ceylon Tees starb nur ein Jahr später an einer schweren Magen-Darm-Entzündung und wurde in Kandy in seiner Heimat Sri Lanka beigesetzt. Ein Jahr nach seinem Tod wurden auf der Weltausstellung in Chicago eine Million Päckchen seines nach London gelieferten Ceylon Tees verkauft. Heute gehört Sri Lanka zu den wichtigsten und größten Produzenten von Tee weltweit. Der Inselstaat rangiert auf Platz vier nach China, Indien und Kenia und exportiert weit über 280 000 Tonnen Tee im Jahr.

Teeproduktion und Anbaugebiete auf Sri Lanka

Durch die starken geographischen Unterschiede werden in Sri Lanka nicht nur die Anbaugebiete, sondern auch die Höhenlagen der Plantagen unterschieden. Die Anbauregionen liegen um den als heiligen Berg verehrten Adam’s Peak, wo die Pflanzen für den sogenannten „Low Grown Tea“ in Höhen von bis zu 650 Metern, den „Mid Grown Tea“ zwischen 650 und 1200 Metern und für den kostbaren „High Grown Tea“ in Lagen von über 1200 Metern Seehöhe kultiviert werden. Der Schwarztee aus dem Tiefland wird ausschließlich für Teemischungen verwendet, während die Blätter aus den höchsten Lagen zu hochwertigem und teurem Orange Pekoe verarbeitet werden. Die drei berühmtesten Teeanbau-Regionen Sri Lankas sind Dimbula, Uva und Nuwara Eliya. Die Plantagen von Dimbula sind auf der südwestlichen Seite der Insel gelegen und bringen einen Tee hervor, der vor allem wegen seiner dezenten Zitrusnote berühmt ist. Die südöstliche Region Uva ist das größte Anbaugebiet der Insel und für seinen im Geschmack leicht an Preiselbeeren erinnernden, süßlichen Tee bekannt. Die Teesträucher in den Höhenlagen von Nuwara Eliya sind von Eukalyptuspflanzen und Zypressen umgeben und nehmen diese Aromen in ihren Blättern auf. Deshalb ist der Tee aus dieser Region für seine feinen und vielfältigen Aromen bekannt. Die steilen Gebirgshänge, an denen Ceylon Tee wächst, weisen einzigartige klimatische Bedingungen auf, die die hohe Qualität des Ceylon High Grown maßgeblich beeinflussen. Das für tropische Regionen ungewöhnlich kühle Klima, die hohe Luftfeuchtigkeit, ausreichender Niederschlag, der durch die steilen Hänge keine Staunässe produziert sowie die äußerst fruchtbaren Böden bieten ideale Grundvoraussetzungen für das üppige Gedeihen der Teepflanzen. Der aus Sri Lanka stammende pure High Grown Ceylon kann durch das Landeswappen auf der Packung erkannt werden, das einen von Lotusblättern umgebenen goldenen Löwen mit Schwert sowie Sonne, Mond und heiliger buddhistischer Drehscheibe darstellt.

Tee in Sri Lanka wird ähnlich der in anderen Ländern üblichen Verarbeitungsprozesse sorgfältig hergestellt. Die Ernte erfolgt zwischen Dezember und den frühen Frühlingsmonaten. Danach werden die Blätter erst in gut belüfteten Räumlichkeiten getrocknet und oxidieren anschließend bei einer Temperatur von etwa 30° C. Nach der Oxidation werden die Blätter in aufwendigen Arbeitsprozessen gerollt, damit der Zellsaft freigesetzt wird und sich die Aromen und die ätherischen Öle voll entfalten können, was den Geschmack maßgeblich beeinflusst. Nach dem Rösten der Teeblätter werden diese je nach Größe erst sortiert und anschließend verpackt.

Eigenschaften von Ceylon Tee

Unter der Bezeichnung „Ceylon Tee“ werden heute verschiedene Sorten von Schwarztee und seltenem Grüntee angeboten, die ausschließlich in Sri Lanka angebaut und weiterverarbeitet werden. Ceylon Schwarztee ist ein mittelkräftiger und belebender Tee, der sich vor allem durch seinen leicht herben und leicht an Malz erinnernden Geschmack auszeichnet und durch zart fruchtige Aromen von Zitronen eine frische Nuance erhält. Auch die Farbe dieses Schwarztees ist von einzigartigem Aussehen. Ceylon Tee ist bekannt für seine intensiv rötlich-goldene Farbe, die ihm ein charakteristisches und unverkennbares Aussehen verleiht. Ceylon Tee ist darüber hinaus ein sehr ergiebiger und robuster Schwarztee, dessen Geschmack durch die Verwendung von kalkhaltigem Wasser in keiner Weise negativ beeinträchtigt wird. Durchschnittliche Qualitäten dieses Tees finden vor allem als Basis der typisch englischen Teemischungen Verwendung. Aus den nicht fermentierten Teeblättern werden unter dem Namen Ceylon auch verschiedene Sorten von grünem Tee produziert, die ebenfalls einen mittelkräftigen, frischen Geschmack mit herben Noten aufweisen. Ceylon Grüntee wird nur äußerst selten und in speziellen Teefachgeschäften angeboten.

Verschiedene Zubereitungen von Ceylon Tee

Ceylon Tee wird überall in der Welt gerne getrunken und sowohl in populären Mischungen als auch als purer Tee von Liebhabern geschätzt. Nach europäischer Tradition wird der Tee mit abgekochtem Leitungswasser übergossen und zieht im Teesieb oder Beutel bei 90° C etwa zwei bis vier Minuten. Hochwertiger Orange Pekoe aus ganzen Blättern benötigt nur eine Minute Ziehzeit, um sein Aroma voll zu entfalten. Ceylon Tee kann sowohl mit einem Schuss Milch als auch mit Zitronensaft getrunken werden.

In Indien wird Ceylon Tee gerne als Grundzutat für das Nationalgetränk Masala Chai, bei uns als „Chai Latte“ bekannt, mit Gewürzen und Zucker in Milch gekocht. Durch seinen herben und kräftigen Geschmack verleiht Ceylon Tee dem süßen und milden Chai Latte eine aromatische Tiefe.

Auch in Russland zählt Ceylon Tee zu den beliebtesten Teesorten und wird gerne im Samowar zubereitet. Dazu zieht er in diesem typisch russischen Gefäß etwa fünf Minuten lang, bis ein starkes Teekonzentrat entsteht, das durch einen kleinen Hahn im Bauch des Samowar in die Tassen oder Gläser gelangt. Anschließend wird es abhängig vom individuellen Geschmack mit Wasser aufgegossen, um die Stärke des Getränks zu regulieren.

Ein gesundes und belebendes Getränk

Ceylon Tee weist einen hohen Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen auf und hat zahlreiche positive Wirkungen auf die menschliche Gesundheit. Er beugt Karies vor und schützt nachweislich gegen verschiedene Arten von Krebs. Da Ceylon Tee die Gefäße erweitert, sorgt er für eine gute Durchblutung und dadurch für eine bessere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Mit einem vergleichsweise hohen Koffeingehalt von circa fünfzig Milligramm pro Tasse gehört Ceylon Tee zu den starken Schwarzteesorten, die der anregenden Wirkung des Kaffees um nichts nachstehen.

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