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Die Teekiste

In fast jedem Haushalt lassen sich diverse Teesorten finden. In Kartonschachteln im Küchenschrank verstaut, warten sie auf die nächste Grippewelle oder einen verdorbenen Magen und werden vor allem in der kalten Jahreszeit als Durstlöscher hervorgeholt. Jedoch wird Tee nicht überall lieblos in eine Schublade gesteckt. Im Gegenteil, er erobert immer mehr Teeliebhaber, welche eine Tasse des feinen Getränkes bewusst genießen und die verschiedenen Aromen schätzen. Hier ist die Rede vor allem von edlen Teesorten, wie den verschiedenen Schwarztees und exotischen Mischungen. Aber auch Heiltees werden neu entdeckt und erhalten die entsprechende Wertschätzung.

Ideale Lagerbedingungen dank Teekiste

Um das Aroma lange zu erhalten, sollte der Tee entsprechend gelagert werden. Licht, Feuchtigkeit und Fremdgerüche verderben ihn, weshalb eine geschützte Aufbewahrung empfohlen ist. Natürlich kann eine rostfreie und lichtundurchlässige Dose für diesen Zweck dienen, wer jedoch seinen Tee stilgerecht lagern möchte, schafft sich eine Teekiste an. In den verschiedensten Ausführungen sind diese Kisten im Handel zu finden, manche schlicht, andere in Anlehnung an ihre „Vorfahren“ reich verziert. Geht es lediglich um die Aufbewahrung des Tees, spielt das Aussehen eher eine untergeordnete Rolle. Jedoch finden sich unter den Teeliebhabern nicht wenige Sammler der Teekisten und so manches Unikat und die eine oder andere Rarität lässt sich mit etwas Glück auf Sammlerbörsen oder Trödelmärkten noch entdecken.

Ein Ausflug in die Geschichte der Teekiste

Der Tee kam fand vermutlich im 16. Jahrhundert seinen Weg nach Europa. Schwarztee aus China und Grüntee aus Japan gelangte über Java auf dem Seeweg nach Holland. Dort kam er in recht schlechter Qualität an, denn auf der Schiffreise setzen ihm die feuchte Seeluft und die monatelange Lagerung zu. Eine solche Reise dauerte sechs Monate oder noch länger. Beschwerlich und langwierig war auch der Transport auf dem Landweg. Und doch begann der Handel zu blühen: Eine Karawane brachte 1618 aus China 200 Kisten voller Tee als Geschenk nach Russland, wo er dem Zaren übergeben wurde. Aus Holland wurde 1644 der erste Tee nach England geliefert, wo Mitte des 17. Jahrhunderts die Teehäuser entstanden. Wer nun den Begriff „Tea Party“ mit einem fröhlichen Beisammensein bei einer Tasse Tee in Verbindung bringt, irrt allerdings! Diese Bezeichnung ging mit einem ganz anderen Hintergrund in die Geschichte ein: Nachdem nämlich die Regierung in London vom neuen wirtschaftlichen Erfolg und der Selbstständigkeit seiner Kolonien profitieren wollte und Steuerabgaben auf Tee anordnete, verkleideten sich einige Herren in Boston als Indianer und brachten ein britisches Handelsschiff unter ihre Kontrolle. Dabei warfen sie etliche Teekisten ins Wasser.

Aber zurück zur eigentlichen Aufgabe und der Herkunft der Teekisten! Um die Qualität des Tees auf langen Reisen zu schützen, musste eine Lösung gefunden werden. Diese sah vorläufig so aus, dass er in mächtige Holzkisten verpackt wurde. Jene schweren und massiven Behältnisse wurden mit Bleifolie ausgekleidet und um die Feuchtigkeit abzuhalten mit in Bambusmatten gewickeltes Papier sowie Firnis ausgekleidet. Alufolie oder Seidenpapier, wie wir es heute kennen, gab es zu dieser Zeit noch nicht. 1905 erfand ein Inder in Kalkutta das Sperrholz, welches man von da an für die Herstellung von Teekisten verwendete. Dass diese alten Kisten heute Raritäten und begehrte Sammelobjekte sind, versteht sich von selbst. Mit der für diese Zeit bekannten Vorliebe für Details wurden die Teekisten beschriftet und teilweise verziert. Jede Originalkiste erzählt über ihre Herkunft, trägt sie doch den Teezoll-Stempel sowie Zollmarken, Angaben zum Gewicht und wie viele Teekisten zur Lieferung gehören. Zudem wurde die sogenannte Invoice-Nummer angebracht, welche Auskunft bezüglich der Blattgrade von den einzelnen Ernten einer Plantage gibt. Die Teekisten sind so ursprünglich und individuell wie der Tee selbst. Leider sind die Originale selten geworden, und wenn sich doch eines auf einer Antikbörse finden lässt, wechselt es schnell den Besitzer.

Die Teekiste

Die Teekiste ©iStockphoto/HeikeRau

Die Teekiste als Kunstobjekt und Gebrauchsgegenstand

Die Original-Teekiste hat eine Standardgröße, sodass sie ca. 50 Kilogramm Tee aufnehmen kann. Der Transport spezieller Teesorten erfolgt in halben oder noch kleineren Teekisten. Kreative Menschen finden immer neue Möglichkeiten, diese in Dekorationen oder Gebrauchsgegenstände umzufunktionieren. So wird aus einer Teekiste mit wenig Aufwand eine originelle Sitzgelegenheit, ein Nachtschränkchen oder ein Beistelltisch, der einen einzigartigen Blickfang darstellt. Heimwerker stellen Regale und kleine Schränkchen her. In jedem Fall entsteht ein Unikat, denn keine Teekiste gleich der anderen. Individuelle Gebrauchsspuren sind nicht als Makel zu betrachten, sondern sind ein Beweis dafür, dass es sich tatsächlich um eine alte Kiste handelt und nicht um eine Nachbildung. Wer eine solche Rarität besitzt, darf sich glücklich schätzen. Obwohl die Teekisten eine gute Grundstabilität aufweisen, sind sie nicht für die Ablage schwerer Gegenstände geeignet, eine Lampe, Vase oder Obstschale stellt jedoch kein Problem dar.

Auch wenn original Teekisten nicht so leicht zu finden sind, muss auf ein solches Stück nicht verzichtet werden. Es gibt wunderschöne und erschwingliche Replika zu fairen Preisen. Diese Holzkisten weisen genau wie die Originale Beschriftungen und Bemalungen auf, welche auf die vermeintliche Herkunft verweisen. Auch kleine Ausführungen sind erhältlich. Teefachgeschäfte führen diese Art von Teekisten, gefüllt oder leer zum Selberbefüllen. Werden sie als Dekoration angeschafft, bieten sie Platz für allerlei Dinge, welche übersichtlich aufbewahrt werden wollen, wie Nähzeug, Knöpfe oder Schmuck.

Warum die Teekiste heute so beliebt ist

Es gibt verschiedene Gründe, sich eine Teekiste zu kaufen oder gar mit dem Sammeln anzufangen. Sicher ist die Nostalgie, welche damit ins Haus geholt wird, ein Argument. Holz, als Naturmaterial ist beliebt und je mehr der allgemeine Geschmack weg von Plastik und Co und zurück zur Natur geht, desto mehr werden Gegenstände wie eben die Teekiste geschätzt. Im modernen Haushalt finden kleine Ausführungen zur Aufbewahrung von Teebeuteln wie für lose Teeblätter Verwendung. In einzelnen Fächern lassen sich unterschiedliche Arten und Geschmacksrichtungen sicher voneinander trennen. Ob die Teekiste mit Glasdeckel bevorzugt wird, oder ganz stilgerecht der Holzdeckel, das bleibt dabei natürlich jedem selbst überlassen.

Übrigens erkennt man den wahren Teefreund daran, dass er auf Teebeutel verzichtet und lose Teeblätter bevorzugt. Sieht man sich nostalgische Aufnahmen, auf welchen Teetrinker abgebildet sind an, sucht man vergeblich nach einem Teebeutel. Die hochwertigen Teearten aus China, Indien, Sir Lanka (damals noch Ceylon genannt) oder Japan wurden selbstverständlich lose in die Teekisten verpackt. Auch das ist ein Plus dieser Aufbewahrungsart: Die Teeblätter bleiben frisch und erhalten ihr Aroma.

Wundervoll verzierte Teekisten und -kistchen eignen sich übrigens bestens als Geschenk. Ob mit Blumenmotiven verziert anstelle eines Geburtstagsstraußes oder mit Beschriftungen, welche Fernweh wecken: Eine Teekiste ist genauso beliebt wie ein köstlicher Qualitätstee.

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